Wir sind nicht irr

Rückwirkend sagen alle: Vor 60 Jahren, da war es für Frauen, LGBTQ und people of color schlimm. Frauen hatten in der Schweiz noch nicht mal das Stimmrecht. Das war Diskriminierung. Klar. Oder Rassismus, der war krass, damals in Amerika. Und erst Antisemitismus! Es ist leicht, das alles rückwirkend festzustellen. Und es wurde hundertfach erwiesen und festgestellt.

Aber man hat auch damals schon, z.B. 1960, die Leute befragt: Gibt es Ungleichheit? Diskriminierung von Frauen, LGBTQ, Schwarzen Menschen? Die Mehrheit fand damals: nein, alles ok, es gibt keine Diskriminierung. 80 bis 90 Prozent (!!) der weissen Mehrheitsgesellschaft waren 1960 in US-Umfragen der Meinung, Schwarze würden nicht diskriminiert.

Auch heute werden die Leut befragt: Vor kurzem ist die neue Leipziger Mitte-Studie für Deutschland erschienen, in der die Hälfte aller Befragten fortbestehende Diskriminierung und Marginalisierung von Frauen leugnet.

Kurz gesagt: In jeder Generation behauptet die Mehrheit der herrschenden Gruppe: Es gibt kein Problem, keine Diskriminierung. Und immer – bisher ohne Ausnahme – lag sie, rückwirkend gesehen, falsch. In jeder Generation haben people of color, Frauen und LGBTQ gesagt: DOCH, ES GIBT EIN PROBLEM! Und immer hatten sie – rückwirkend gesehen und ohne Ausnahme – recht.

Die Frage ist also: Kann es wirklich sein, dass diejenigen, die in der Geschichte bisher immer recht hatten, heute plötzlich vollkommen irr geworden sind? Plötzlich unfähig sein sollen, die Verhältnisse klar zu sehen? Und warum sollen diejenigen, die bisher nie, niemals recht hatten in der Geschichte, heute plötzlich die Klügeren sein?

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3 Gedanken zu “Wir sind nicht irr

  1. Der Beitrag erinnert mich an die Tatsache, dass öfters und seit jeher die mittlere Generation das Gefühl hat, dass die nachfolgende verdorben(er) sei und am Abgrund stehe. Vielleicht ändert sich eben gar nicht so viel, auf diversen Ebenen. Die Diskriminierung geht weiter, die Überheblichkeiten, Ausgrenzung. Und eine völlige Ignoranz, welche Welt den nachfolgenden Generationen überlassen wird (Stichwort radioaktive Abfälle, Kriegsfolgen etc.) Nur verschiebt sich zum Teil der Fokus, auf wen sich der Hass gerade richtet.

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