Ich schulde niemandem Schönheit

GASTBEITRAG

Von Maaike Kellenberger

Das Ärgste an Kommentaren wie «natürlich ist sie Feministin / links, wenn sie *so* aussieht» ist nicht, dass sie einer ganzen politischen Kraft, einer Einstellung, einer Meinung, einem täglichen (!) Kampf unterstellen, diese würden nur auf (m)einer Hässlichkeit basieren – und nicht etwa auf den Jahren, in denen ich mich gebildet habe, gewachsen bin, problematisch war, korrigiert wurde, reagieren musste.

Das wirklich Stinkende an solchen Äusserungen ist, dass sie – während sie oberflächlich «bloss» beleidigend und sexistisch, also provokativ (try again) sein wollen – eine Vorstellung festigen, die tief in uns sitzt. Eine Vorstellung, die auch in mir sitzt, und zwar so tief, dass ich mir täglich vor Augen halten muss, wieder und wieder gegen sie anzukämpfen und zu ent-lernen, was ich einst lernte, und was mir immer wieder gelehrt wird: dass der grösste Frevel, den eine Frau begehen kann, ist, hässlich zu sein.

Jemand will mich beleidigen, weil er meine Gesinnung nicht teilt – ich bin hässlich. Jemand will mich verletzen, weil ich seinen Abstimmungswunsch nicht teile – ich bin hässlich. Jemand ist frustriert, weil er mein Bett nicht teilt – (jetzt) bin ich hässlich. Oder fett. Oder habe zu kleine Brüste. Zu grosse Nippel. Zu viele Haare. Zu kurze Haare.

Sag, ich sei nicht informiert. Sag, ich sei ignorant. Sag, ich mache meine Arbeit nicht gut. Sag, ich sei böse. Sag, ich sei desinteressiert. Sag, ich sei inkompetent. Sag, ich sei destruktiv. Sag, ich sei kleinlich. Sag, ich sei grob. Sag, ich sei unbedacht. Hör auf, hässlich als weibliches Pendant zu all den miesen Dingen zu betrachten, die ein Mensch, ein Mann, sein darf – und die auch ich hin und wieder bin .

Manchmal bin ich versucht, meine Schönheit, die da mal ist, und mal auch nicht – ich bin versucht, sie hervorzuholen, sie zu kämmen, sie zu hegen, sie zu streicheln, sie dann zu fotografieren und damit allen eins auszuwischen, die doch so überzeugt riefen, aus ‚weiblich und links‘ liesse sich ‚hässlich‘ ableiten. Und dann bricht mein Herz ein wenig, zum Glück immer nur stückweise, denn dann erinnere ich mich und wiederhole so oft wie nötig:

Ich schulde der Welt meine Schönheit nicht. Es ist nicht Teil meiner Aufgabe, schön zu sein. Ich habe nie versprochen, schön zu sein.

WIR SCHULDEN EUCH UNSERE SCHÖNHEIT NICHT.

Zerstören wir die Idee, dass Hässlichkeit etwas Schlechtes ist – das Schlechteste gar, was von einer Frau zu erwarten ist; das Wildeste, was sie sich trauen kann. Lasst uns nicht zeigen, dass Feministinnen schön sind.

Lasst uns stattdessen hinarbeiten auf den Tag, an dem sie sich wünschten, wir wären bloss hässlich.


 

Maaike

Maaike Kellenberger studiert Allgemeine Sprachwissenschaft und Germanistik an der Universität Zürich. Sie ist Netzaktivistin (@linguipster) und findet, dass es besser ist, Sexisten auf ihre Plätze zu verweisen, als die Wut in sich hineinzufressen. Sie hält Sprache für sehr mächtig und kämpft für einen intersektionalen Feminismus.

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39 Gedanken zu “Ich schulde niemandem Schönheit

  1. Liebe Maaike
    eine äusserst eindrückliche aber auch eine sehr bewegende Ansage die Du hier zeichnest. Besonders der Abschnitt welcher mit „Sag, ich sei nicht informiert“ beginnt, hat mich beeindruckt.
    Da steckt die ganze bittere Wahrheit drin, Deine Verzweiflung ob dieser nie endenden Ungeheuerlichkeit, dass Schönheit gewissermassen als Voraussetzung für eine Existenzberechtigung angesehen wird. Beinahe wäre ich bereit gewesen, diese Einstellung als typisch männliches Gedankengut zu verstehen.
    Nur, das wirklich beschämende an dieser Gesinnung ist aber, dass auch sehr viele Frauen diesen zweifelhaften Standpunkt vertreten. Nicht zuletzt solche Frauen, die ihre „Schönheit“ geschickt genug in Szene zu setzen verstanden, um sich damit gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Positionen zu sichern, welche ihnen sonst wohl eher verwehrt geblieben wären.
    Es ist müssig darüber zu debattieren wem wir für diese Einstellung mehr Verständnis entgegenbringen sollten. Sie ist antiquiert, sie ist frauenverachtend und sie zeugt grundsätzlich von einer deutlichen Charakterschwäche.
    Ich finde es bemerkenswert, sehr beeindruckend und mutig wie Du dieses Thema auf den Punkt bringst und bin fest davon überzeugt, dass Du vielen Leserinnen und Lesern aus dem Herzen gesprochen hast. Ich würde mir weitere Beiträge von Dir wünschen.

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    1. Lieber Karl
      Zunächst: Danke für die wertschätzenden Worte; ich freue mich, dass so viele an dem Text Gefallen finden.

      Reagieren möchte ich kurz auf diese Stelle Deines Kommentars: „das wirklich beschämende an dieser Gesinnung ist aber, dass auch sehr viele Frauen diesen zweifelhaften Standpunkt vertreten“. Das ist tatsächlich etwas sehr trauriges; aber beschämend finde ich es nicht. Im Gegenteil. Es ist die logische Konsequenz des Status Quo – und daher nicht sonderlich beschämend, oder zumindest nicht „wirklich beschämend“. Wie ich geschrieben habe wurde mir BEIGEBRACHT, dass Schönheit nicht nur der Schlüssel (und Hässlichkeit der Frevel) sei, sondern eben auch, dass Schönheit der EINZIGE, oder zumindest zuverlässigste Schlüssel (und Hässlichkeit der EINZIGE, oder zumindest grösste Frevel) sei. Es benötigt einen grossen Haufen mentaler Arbeit, diese Gesinnung loszuwerden und ich kann nur hoffen, sie eines Tages weg-gelernt zu haben. Noch bin ich weit davon entfernt. Es wundert mich keinen kleinen Zehen weit, dass auch – bzw. gerade – Frauen diesen Standpunkt vertreten, das war ja von Anfang an das Ziel, dass Frauen sich „mehr um ihr Äusserliches“ und also weniger um, sagen wir, Politik kümmern (es ist also nicht beschämend, es hat einfach funktioniert); und man vergesse auch nicht, was wir gleich noch mitgeliefert bekamen: Die fast unkaputtbare Idee, dass andere Frauen unsere Konkurrenz seien, und zwar wieder hauptsächlich optisch bzw. überall, wo es um die Optik geht, beispielsweise bei der Aufmerksamkeit, die uns von Männern zuteil wird (die wird ohnehin als höchstes Gut verkauft). – Warum sind die bösen Stiefschwestern in den Märchen wohl immer so hässlich? Weil der Prinz sich nicht in einen Charakter verliebt.

      Nun bin ich aber genug abgeschweift und verbleibe mit lieben Grüssen
      Maaike

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  2. Ich bin sehr begeistert von diesem Beitrag, auch, wenn er weh tut, weil er so wahr ist, weil er so sehr von mir sein könnte.
    Und weil ich immer wieder erkenne: Ja, das ist auch in mir. Wie oft stand ich schon zu viel Zeit vor dem Spiegel, habe mir penibelst jedes Haar wegrasiert und mich so lange geschminkt und unschuldige Gesichtsausdrücke geübt, bis ich unverkennbar „schön“ war und wie oft denke ich: „Wenn ich jetzt nur noch dünner wäre…“ und das, obwohl ich so viel erreiche.
    Und in all dieser Zeit hätte ich auch arbeiten können, kreativ sein, faul sein, schlafen, lesen, mich bilden…all das, was Männer scheinbar tun dürfen in dieser Zeit.
    Danke.

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    1. Gäll. Ja, es braucht viel. Aber aus unerfindlichen Gründen hilft es mir, den Satz zu wiederholen, ich hätte die Schönheit nie versprochen bzw. schulde sie niemandem – interessant irgendwie auch, wie teuer mir offenbar Versprechen bzw. Schulden sind (schmunzel – auch die dürfen mal gebrochen werden, eigentlich). Ich sage ihn jetzt einfach so lang, bis er ebenso natürlich ist, wie bis jetzt noch die Idee, ich müsse mich auf eine Art und Weise für die Umwelt anguckbar machen, sobald ich das Haus verlasse. Weil: What the actual f. / Danke dir für dein grosses Kompliment.

      Mit liebem Gruss und viel Hoffnung auf Lernen und Entlernen
      Maaike

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  3. Du brauchst Mut dazu zu stehen. Du brauchst Überwindung es zu ändern. Und Du brauchst Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit es gut sein zu lassen wenn es für DICH stimmt. Du bist wie Du bist und genauso bist Du richtig.

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  4. Ja, dieser Beitrag ist wahr und wichtig.
    Ich kenne es ja auch andersherum. Ich mache eine Stadtführung, eine Frau will mir was Nettes sagen, ihr fällt aber zur Stadtführung nichts ein, dann kommt: „Gut siehst Du aus!“ Das war sicher sehr lieb gemeint ist aber komplett daneben.
    Im Guten wie im Schlechten – es geht um unsere Person und Qualifikation. Und es trifft eben doppelt, weil es bei vielen so tief sitzt, die Aufgabe der Frau ist hübsch sein.
    Danke.

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  5. Ich bin nicht begeistert. Du sprichst von Hässlichkeit und Schönheit und verwendest diese Begriffe der Oberflächlichkeit genau, wie die, denen fu vorwirfst dich hässlich zu nennen.

    Du sprichst von Hässlichkeit und dein Foto zeigt, dass du von einem Thema schreibst, das du nicht kennst. Du wirst nicht wegen deines Aussehens auf offener Straße beschimpft, nicht bespuckt und nicht vor deinen Kindern von wildfremden Leuten angepöbelt.

    Du schreibst davon niemanden Schönheit zu schulden und beschreibst doch wie verletzend „hässlich zu sein“ ist. Und mit deinen Worten stellst du deine Hässlichkeit auf ein Podest… Du bist nicht hässlich und ich nehme dir nicht ab, dass du jeden Tag vor dem Spiegel verzweifelst… Dass du darunter leidest, wenn du in die Öffentlichkeit musst, dich den Blicken anderer auszusetzen.

    Ich lade dich ein, mit mir durch die Stadt zu gehen und zu erleben, welche Reaktionen Menschen auf andere haben, die nicht, wie du, in der Masse untertauchen können.

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    1. Es ist sicher so, dass Menschen, die nicht den vorherrschenden Idealen entsprechen, es schwerer haben. Das ändert aber nichts daran, dass eine Frau, die diesen Idealen objektiv gesehen recht nahe kommt, zum einen einen unglaublich strengen Blick auf sich selbst und Minderwertigkeitsgefühle entwickeln kann, sogar magersüchtig werden kann, es werden ja oft Mädchen magersüchtig, die eigentlich schon schlank sind. Weil eine Frau nie „schön genug“ sein kann. Denn unter den vorherrschenden Normen KANN es nur Scheitern geben. Man ist nie schlank genug, schön genug, jung genug….und gerade Frauen, die objektiv schön sind, werden ja darauf auch oft reduziert, und lernen, sich selbst darauf zu reduzieren. Und das muss dann eben ent-lernt werden….Zum anderen geht es in Maaikes Text, wie ich ihn verstehe, vor allem auch um die Frage was passiert, wenn Frauen Meinungen vertreten, politisch werden. Und hier zeigt die Erfahrung: Egal wie du aussiehst, wird an deinem Aussehen herumkritisiert. Egal wie du aussiehst, die Kritiker und Anfeinder werden schon was finden (deine Brille, deine Figur, deine Kleider, deine Frisur). Wenn du für Inhalte stehst, gar feministische, linke, dann ist die Warscheinlichkeit hoch, als Frau aufgrund von negativen Äusserungen über Dein Aussehen diskreditiert zu werden. Das ist ein Meschanismus. Genauso wie es ja auch so ist, dass Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt werden, wenn sie einen Rollkragenpulli anhaben, oder schon älter sind. Du musst keinen Minirock anhaben, um solche Erfahrungen zu machen, noch nicht mal jung sein. Was ich sagen will: Es geht um das Prinzip des Objekt-Status. Diesen können alle Frauen* erfahren, ob sie nun dem Schönheitsideal entsprechen oder nicht.
      Das heisst aber nicht, dass eine Frau, die Schönheitsidealen eher entspricht, je nachdem auch Privilegien hat. Das würde ich sicher nicht leugnen. Umgekehrt kann sie eben dennoch oder gerade auch GENAU die Erfahrung machen, dass an ihr herumgemäkelt wird. Vor allem dann, wenn sie sich politisch äussert.

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    2. Jeder Mensch hat mit unterschiedlichen Reaktionen der Außenwelt zu kämpfen und erlebt diese Außenwelt anders. Du magst es ihr nicht „abkaufen“, hast jedoch kein Recht, ihr zu sagen, wie sie sich zu fühlen hat. Es mag sein, dass andere Menschen extremer unter unseren gesellschaftlichen Idealen leiden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die individuellen Sorgen des einzelnen weniger wichtig sind.

      Mir hat man jahrelang gesagt, ich solle mich doch glücklich schätzen, da ich „so hübsch“ sei. Trotzdem litt ich jahrelang unter Essstörungen, weil ich mich selbst (und den gesellschaftlichen Druck) anders wahrgenommen habe.

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    3. Liebe Nina J., danke für die Worte. Du hast recht, ich entspreche zu einem grossen Teil den gängigen Schönheitsidealen (JETZT tue ich das; Teenie-Maaike kannte andere Erfahrungen. Ausserdem bitte vergiss nicht; Bilder, die du von mir siehst, sind diejenigen, die ich poste, eben weil sie so nett aussehen. Nur eine kleine Erinnerung an die Kraft des Winkels im Internet). Ich verstehe deinen Standpunkt, aber ich finde nicht, dass mir meine „Schönheit“ Texte wie diesen verbieten darf. Und damit auch genug von mir; es war mir nämlich das Anliegen, von der allgemeinen Sache zu sprechen, die nicht zu leugnende Tatsache, dass Frauen Kommentare zu ihrem Äusseren bekommen, sobald sie sich auf Terrain bewegen, wo auch Sexisten zu finden sind (also, überall, aber gerade in der Politik).

      So recht du hast, und so wichtig dein Standpunkt ist, so glaube ich nicht, dass er hier am richtigen Ort platziert ist. Ich möchte dir nicht auflisten, welche Beleidigungen (ja, auch auf der Strasse) auch ich schon hörte, als ich eben noch jünger war, kurzhaarig, dicker, schminkfrei. Und was es mit mir gemacht hat. Und ich muss wohl auch nicht erklären, dass es schnell entsprechend „passendere“ Beleidigungen gibt, seit ich mehr den gängigen Idealen entspreche; z.B. ich „bräuchte einfach mal wieder einen guten F***“ oder eben „schau wie viel Schminke sie braucht“ – am Ende kommt es – in derjenigen Sache, die ich hier besprechen und anprangern will – nicht darauf an, wie schön oder nicht schön ICH bin. Es geht darum, dass uns Frauen als ‚Strafe‘ unser Äusseres in Erinnerung gerufen oder sogar vorgeworfen wird. Eine Tatsache, die sich nicht um Schönheitsideale kümmert. Bin ich „hässlich“ genug, wird mir das vorgeworfen; bin ich „schön“ genug, wird mir angeboten, mir es wieder einmal richtig zu besorgen, so als Hilfe, gegen meinen Feminismus. Keiner gewinnt. Und darum möchte ich darüber sprechen. Trotz meiner Selfies.

      Ich hoffe, dir mit meiner Antwort ein bisschen näher gekommen zu sein. Ich verstehe deinen Input gut und gebe dir zum Teil recht; ich hoffe du siehst nun, warum ich den Text trotzdem schrieb und wieder schreiben würde, und das auch gut so ist.

      Liebe Grüsse
      Maaike

      Ps.: Verletzend an dem Wort „hässlich“ ist nicht das Wort selbst. Mir ist ehrlich gesagt völlig Wurst, ob der alte weisse Herr namens Ueli mich oder beliebige Frau, die sich äussert, als hässlich empfindet. Was daran verletzt, ist die Tatsache, dass es nur ein Kommentar über mein/ihr/unser Äusserliches ist; der Kommentar wäre ebenso verletzlich und regt mich ebenso auf, wenn er „positiv“ ist. Die kommen übrigens gern. In Form von „Wenigstens sieht sie gut aus, ich würd sie ja (durch)nehmen“. –

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      1. Danke für deine Antwort, ich verstehe dadurch deine Intention eindeutig besser und kann das sehr gut nachvollziehen.

        Ich kenne die „Argumentation mit der Hässlichkeit“ aus anderem Kontext und bin durch deinen Text etwas hellhöriger geworden. Ja, Beleidigungen werden oft als Hebel angesetzt, um einer sachlichen Diskussion die Grundlage zu entziehen.

        Danke für den Denkanstoß!

        Liebe Grüße, Nina

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  6. Da wahre Schönheit von innen kommt, ist „hässlich“ durchaus nicht unbedingt nur als Schmähung des Oberflächlichen zu sehen. Hässlichkeit ist natürlich etwas schlechtes, wie ja der Wortstamm schon sagt und das liegt wie fast alles immer im Auge des Betrachters.
    Ich weiß weder wie du aussiehst, noch kenne ich deiner Persönlichkeit. Dieser Artikel liest sich aber durchaus weinerlich und als würdest du deine selbst gewählte Opferrolle genießen. Und das ist meiner Meinung nach schon hässlich.

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    1. Innere Schönheit hat etwas mit Barmherzigkeit und Liebe zu tun. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Selig sind die Barmherzigen“. Er erzählte das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Diese Liebe und Barmherzigkeit fehlt Dir, Hassan! Vielleicht solltest Du einmal die Worte Jesu lesen, anstatt Kommentare zu schreiben, die niemandem weiterhelfen und die im Sinne des Sozialdarwinismus bzw. Nietsches geschrieben sind, wonach nur die Starken ein Recht auf Leben haben, nicht aber diejenigen, die schwach sind („Oper“, „weinerlich“). Letztlich führte dieser Gedankengang mit zu dem, was nach 1933 in Deutschland in einer Katastrophe endete und er führt immer neu zu Kriegen, weil Regierende meinen, Stärke zeigen zu müssen, anstatt am Verhandlungstisch Kompromisse auszuhandeln.

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  7. Lieben Dank für die vielen wertvollen Rückmeldungen! Ich werde mir so bald wie möglich Zeit nehmen, sie zu beantworten. — Äs chunt!

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  8. Danke für diesen Beitrag. Ich denke nicht, dass das ein Frauen-Problem ist. Ich kenne sehr viele Männer, die darunter leiden, dass ihr Äusseres nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht. Ich schliesse mich Ninas Meinung an: Wenn ich dein Foto ansehe, kann ich nicht verstehen, warum du dir selbst so viele Gedanken über dein Aussehen machst – ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass du mal Probleme wegen deinem Aussehen hattest. Hattest du wirklich?

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    1. Um einigermassen schnell zu antworten. Ja, hatte ich. Und zweitens: Es geht hier nicht nur um mich. Ich schreibe solche Texte nicht nur meiner Selbst willen. ‚Inspiriert‘ wurde ich durch einen Post von SVP-Politiker Glarner, der das Aussehen zweier seiner Kritikerinnen an den Pranger stellte und seine FB-Freunde also einlud, sich darüber auszulassen. Und zuletzt: Der Punkt hier ist nicht, dass es mich beleidigt, wenn mich jemand hässlich nennt. Was uns beleidigen sollte ist, dass es sich dabei um Kommentare über unser Äusseres handelt. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich den gängigen Idealen entspreche oder nicht. Wenn nein; dann bin ich unvögelbar. Wenn ja, dann würden sie es mir mal wieder „besorgen“, damit ich von dem komischen Feminismus loskomme. Ob sie mir nun schreiben, ich sei eh hässlich, oder ob sie schreiben, ich sei wenigstens schön, kommt nicht drauf an, in der Sache, die ich hier anprangere. So oder so handelt es sich um ein Kommentar um mein Äusseres; um einen, der im Übrigen nicht in diesem Ausmass fallen würde, wenn ich ein Mann wäre.

      Und das ist Tatsache.

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  9. Es ist sicher so, dass Menschen, die nicht den vorherrschenden Idealen entsprechen, es schwerer haben. Das ändert aber nichts daran, dass eine Frau, die diesen Idealen objektiv gesehen recht nahe kommt, zum einen einen unglaublich strengen Blick auf sich selbst und Minderwertigkeitsgefühle entwickeln kann, sogar magersüchtig werden kann, es werden ja oft Mädchen magersüchtig, die eigentlich schon schlank sind. Weil eine Frau nie „schön genug“ sein kann. Denn unter den vorherrschenden Normen KANN es nur Scheitern geben. Man ist nie schlank genug, schön geng, jung genug….und gerade Frauen, die objektiv schön sind, werden ja darauf auch oft reduziert, und lernen, sich selbst darauf zu reduzieren. Zum anderen geht es in Maaikes Text auch um die Frage was passiert, wenn Frauen Meinungen vertreten, politisch werden. Und hier zeigt die Erfahrung: Egal wie du aussiehst, wird an deinem Aussehen herumkritisiert. Egal wie du aussiehst, die Kritiker und Anfeinder werden schon was finden (deine Brille, deine Figur, deine Kleider, deine Frisur). Wenn du für Inhalte stehst, gar feministische, linke, dann ist die Warscheinlichkeit hoch, als Frau aufgrund von negativen Äusserungen über Dein Aussehen diskreditiert zu werden. Das ist ein Meschanismus. Genauso wie es ja auch so ist, dass Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt werden, wenn sie einen Rollkragenpulli anhaben, oder schon älter sind. Du musst keinen Minirock anhaben, um solche Erfahrungen zu machen, noch nicht mal jung sein. Was ich sagen will: Es geht um das Prinzip des Objekt-Status. Diesen können alle Frauen* erfahren, ob sie nun dem Schönheitsideal entsprechen oder nicht.
    Das heisst aber nicht, dass eine Frau, die Schönheitsidealen eher entspricht, je nachdem auch Privilegien hat. Das würde ich sicher nicht leugnen. Umgekehrt kann sie eben dennoch oder gerade auch GENAU die Erfahrung machen, dass an ihr herumgemäkelt wird.

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  10. Ich bin auch nicht frei von solchen Gedanken, versuche aber, dagegen anzugehen, weil ich sie vollkommen bescheuert finde. Aber das ist halt das, was ich im Laufe meines Lebens „gelernt“ habe und ich empfinde es selbst als mühsam, davon weg zu kommen.

    Ich lese so oft, daß Leute Bezug nehmen auf die „Hässlichkeit“ einer Politikerin, anstatt sich darüber aufzuregen, was für beschissene Meinungen sie vertritt.
    Wenn es wichtiger ist, wie die Dame aussieht, als was sie von sich gibt, dann läuft doch etwas ganz furchtbar falsch.

    Der Sinn von Diskussionen über politische Inhalte, in denen sich die beiden Seiten gegenseitig ob ihrer „Hässlichkeit“ beschimpfen erschließt sich mir nicht.

    Neulich postete jemand ein einer Facebook-Gruppe ein Bild von drei demonstrierenden Frauen.
    Diese halten auf dem Bild Schilder hoch, auf denen steht „Nein heißt nein“.
    Und in der Gruppe war das der Lacher schlechthin, weil die Damen einigen wohl nicht hübsch oder schlank genug waren, um zu glauben, es käme überhaupt jemand auf die Idee, sie anfassen zu wollen.
    Die Gruppe besteht aus Menschen mit überdurchschnittlichem Bildungsstand, die sich zusammengefunden haben, um über „Sprache“ und Texte zu diskutieren.
    Die Kommentare unter dem Bild lasen sich für mich aber eher so, als hätte sich ein Haufen strunzdummer, angetrunkener Menschen über einen „Herrenwitz“ amüsiert.

    Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie widerlich ich diese Einstellungen finde.

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    1. Ugh, das ist ja grausig. :-/ Was du schreibst, erinnert mich an die Geschichte mit Magdalena Martullo Blocher. Ich musste viele meiner linken Freunde im Geiste in die Hölle schicken, weil alles, was sie über die Frau zu sagen hatten war: Haha, ist das nicht der SOHN von Blocher. Huhu, so lustig. Vielen Dank, dass ich nun jemanden vor eurem Sexismus schützen muss, über deren politischen Fehltritte ich lieber diskutieren würde. Ach.

      Herzlich,
      Maaike

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  11. Es ist gut, dass dieses Thema sichtbar wird. Du bist hässlich. Zack, abgewürgt. Ich muss deinen Argumenten nicht mehr zuhören. Sie zählen nicht, du bist dafür zu hässlich. Du bist hässlich, also nehme ich dir dein Recht, dich unbehelligt im öffentlichen Raum zu bewegen. Du bist hässlich. Du darfst nicht sein.

    Das wächst nicht aus der Kommentarfunktion irgendwelcher Seiten. Das war schon immer da. Das war schon immer Hass und Objektifizierung. Jetzt ist es mediatisierter Hass. Aber es ist noch der gleiche Hass, an dem ich mit dreizehn täglich verzweifelt bin. Dessen Spuren in meinem Herz und Hirn ich bis heute bekämpfen muss. Zwanzig Jahre später. Der Hass, der mich oft stumm gemacht hat. Unsichtbar. Und viele andere auch. Ich bin froh, dass die Kommentare ihn sichtbar machen. Der Hass ist jetzt so nackt, so ungeschützt, so hässlich. Es dreht sich was.

    „Lasst uns stattdessen hinarbeiten auf den Tag, an dem sie sich wünschten, wir wären bloss hässlich.“ Sehr gut. Ich für meinen Teil bin wütend. Das bin ich mir schuldig.

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  12. Ja man. Einfach ja. Wenn ich die Energie, die ich damit verbracht habe 1) zu versuchen, hübsch auszusehen 2) mich dafür fertig zu machen, dass ich nicht zu 100 % allen Schönheitsstandards entspreche und 3) krampfhaft zu versuchen, über diesen beschissenen patriarchalen Erwartungen drüber zu stehen, in etwas anderes gesteckt hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich Millionärin. Oder zumindest hätte ich mehr Zeit fürs Gilmore Girls gucken gehabt.

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    1. Liebe laurarabea
      soviel vorweg, es sind nicht allein patriarchale, es sind ebenso stark ausgeprägt, matriarchale Ansprüche.
      Wenn die ganze Welt, notabene mit offensichtlichem Vergnügen dabei zusieht, mit welcher Arroganz, Überheblichkeit und Selbstverliebtheit gewisse Frauen andere Frauen, aufgrund vermeintlicher oder tatsächlicher Abweichungen vom diktierten Schönheitsideal, die wettbewerbsmässige Verunglimpfung geradezu zelebrieren, dann sollte auch das an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.
      Wenn dies Dir Trost oder Erleichterung bringt, – glaub mir, wenn Dummheit ebenso offensichtlich wäre wie Hässlichkeit, dann würden sich deutlich weniger vermeintlich schöne Menschen in der Öffentlichkeit zur Schau stellen.

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      1. Vollkommen richtig. Aber dann nennt man dann nicht matriarchal, sondern internalisiere Misogynie. Und es hat selten etwas mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit eigenen Unsicherheiten und – wie du ja auch schreibst – dem uns aufgezwungenen Wettbewerb um männliche Aufmerksamkeit.

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      2. Mit initialisierter Misogynie bin ich jetzt tatsächlich etwas überfordert. Aber der switch von patriarchal auf matriarchal schien mir irgendwie passend.
        Bleibt anzufügen, dass es durchaus auch was mit weiblicher Aufmerksamkeit zu tun hat. Immerhin sprechen ja die vergleichenden Blick eine ziemlich deutliche Sprache. Darüber hinaus kenne ich persönlich nicht wenige Frauen, denen doch, Wettbewerb hin oder her, einiges daran liegt, den Männern zu gefallen. Und wir Männer, seien wir ehrlich, geniessen das natürlich genauso wie ihr Frauen.

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      3. Ja, matriarchal ist hier nicht passend. Wir leben definitiv in einem patriarchalen System; und auch Äusserungen wie diejenigen, die wir hier anprangern, fallen innerhalb und sind Symptome dieses Systems. Frauen haben, wie gesagt, den Anspruch auf Arschlochtum. Aber, und das meint Laurarabea mit internalisierter Misogynie, vieles davon haben sie eben gelernt. Wir. Wir lernen, dass andere Frauen unsere Konkurrenz sind. Wir lernen, dass wir nicht offen kämpfen dürfen, sondern hinterrücks sein müssen. Wir lernen, dass wir unsere Schönheiten vergleichen müssen. DAS ist verinnerlichter Frauenhass von Frauen. NICHT Matriarchat (hat sogar überhaupt nichts damit zu tun).

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    2. haha, mein Liebling, dieser Kommentar. Vielleicht muss ich ihn ausdrucken! Gäll, es ist wahrhaft zum Kotzen. Vor allem Punkt drei finde ich, nun ja, WILD: Seit ich mir bewusster geworden bin (über politisches, und überhaupt, Dinge), verbringe ich viel Zeit damit, all diesen Seich zu entlernen. Und so wichtig es ist, ich würde auch diese Zeit lieber anders verbringen. Spass macht’s nämlich keinen.

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  13. Liebe Maaike!
    Allein schon für den letzten Satz könnte ich Dich küssen, auch wenn ich Dir nicht in allen Punkten zustimme. Ich denke, dass eine Frau durchaus noch größere Frevel begehen kann als „häßlich“ zu sein, wie z. B. keine Kinder haben zu wollen bzw. nicht zutiefst zu bedauern, nie welche bekommen zu haben, oder nach politischer Macht zu streben. Ich glaube, „häßlich“ wird ganz einfach aus ökonomischen Gründen bei jeder Gelegenheit verwendet – man(n) geht davon aus, dass die betreffende Frau an dieser Stelle am leichtesten und am verheerendsten zu treffen ist, natürlich ausgehend von der Prämisse, dass Frauen sich nach wie vor (und wie gewollt) in erster Linie über ihren Körper definieren, dass also ihre Identität auf der Eigen- wie Fremdwahrnehmung und vor allem -beurteilung ihres Körpers gründet. Ich glaube nicht, dass unter „häßlich“ alle möglichen anderen Dinge wie Inkompetenz, Grobheit, Schlechtigkeit, was auch immer, subsummiert werden sollen. Wenn man sich um eine inhaltliche Auseinandersetzung drücken, die betreffende Frau aber trotzdem fertig machen will, dann nimmt man halt „häßlich“, weil man sie damit im Kern ihrer Identität zu treffen meint.
    Und es funktioniert ja auch, denn wie Du schreibst, führst Du immer wieder einen inneren Kampf gegen diese tiefverwurzelten Denkweisen und Zuschreibungen; es trifft Dich, das „häßlich“, auch wenn Du nicht willst, dass es Dich trifft. Ich kenn das, ich habe den gleichen Kampf gefochten, als ich in Deinem Alter war; so etwas hat mich damals auch getroffen, und dann war ich sauer auf mich selbst, dass es mich überhaupt treffen konnte. Und ich weiß noch, wie unglaublich gut es sich angefühlt hat, als ich mit Anfang Zwanzig bei einem Streit mit meinem damaligen Freund sein „Du bist so häßlich, wenn du wütend bist!“ mit einem aus vollem Herzen gebrüllten „Und das ist mir so was von scheiß-egal!“ gekontert habe. Ich war total verblüfft, denn so etwas hätte ich mir damals selbst nie zugetraut (er übrigens auch nicht, er war sprachlos – sein Killerargument hatte seine Wirkung verfehlt…). Heute kann ich wie auch viele anderen Frau meines Alters sagen, dass mit den Jahren zum Glück eine gewisse Gelassenheit einsetzt und solche Äußerungen, wenn überhaupt, dann nur mit einem achselzuckenden „und?!“ zur Kenntnis genommen werden – Du sagst mir, ich sei häßlich, weil dir irgendwas an mir nicht passt? So what, du sagst damit mehr über dich als über mich. Du sagst: Ich bin ein denkfauler Mensch, ich sehe die Welt in Klischees, bin Auseinandersetzungen auf geistiger Ebene nicht gewachsen und kann mir nur mit Beleidigungen helfen. Du verdienst mein Mitgefühl, nicht meinen Zorn.
    Das soll jetzt nicht heißen, ich sei der Meinung, solche Äußerungen sollten milde lächelnd übergangen werden, auf gar keinen Fall sollten sie das. Es ist nur aus rein egoistischen Gründen viel besser, einem solchen Menschen aus der Perspektive des Mitgefühls zu betrachten, weil das seinen Beleidigungen nämlich ihre verletzende Wirkung nimmt. Sie tun nicht mehr weh; im Gegenteil, sie zeigen Dir Deine innere Stärke. Und es braucht innere Stärke für die Auseinandersetzungen mit den Klischees von „weiblicher Schönheit“ und „häßlichen Emanzen“ (wie es zu meiner Zeit hieß, heutzutage sind also auch linke Frauen automatisch häßlich, nicht nur Feministinnen). Schön, dass Du Deine Stimme erhebst. Denn, wie gesagt, diese Auseinandersetzungen müssen geführt werden, und jeder Beitrag ist wichtig. Ich persönlich stand früher einmal in dem Ruf, Frauen Unsinn einzureden und sie gegen ihre Freunde/Ehemänner/Männer im allgemeinen aufzuhetzen, aus reinem Frust und Männerhaß natürlich. Ich nehme das nach wie vor als Kompliment und habe diese schlechte Gewohnheit immer noch nicht ganz abgelegt.
    In diesem Sinne verabschiede ich mich jetzt von Dir. Ich wünsche Dir alles Gute, herzliche Grüße von
    karuna aus Berlin

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