#WeAreHere

da_vinci

Jetzt. Ab sofort für eine Woche: #WeAreHere

Politik, Literaturbetriebe, Wissenschaft, Musikszene, Zeitungen, TV … sind auf Männer* und ihre Handlungen fixiert. Beiträge von Frauen* werden oft totgeschwiegen. Männer* beziehen sich selten auf Frauen*, verweisen nicht auf deren Beiträge.

Deshalb:

Eine Woche lang reagiere ich ausschliesslich auf Beiträge, Aussagen, Kommentare, Tweets, FB-Einträge, Interviews usw. von Frauen*.

#WeAreHere wurde initiiert von der Drehbuchautorin und Regisseurin Güzin Kar. „Wer mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen!“ Das heisst: nur Artikel posten, in denen es massgeblich um Frauen* geht oder die von Frauen* geschrieben wurden, ausdrücklich auch mit einem Fokus auf Beiträge von Schwarzen Frauen*, migrantisierten und/oder nicht-hetero Frauen* und andren minorisierten Frauen*. Zudem: Güzin Kar lädt dazu ein, ihr von den eigenen Erfahrungen mit der Aktion zu berichten: info@guzin.ch

(Sollte Euer Nicht-Eingehen auf männliche* Voten euch privat oder beruflich in Schwierigkeiten bringen, brecht die Regel einfach kurz. Niemand soll sich selber schaden. Es gibt keine starren Regeln).

PS: solidarische Männer* können sich gern beteiligen! Zu überlegen wäre, ob sie den Hashtag umwandeln in #TheyAreHere oder #SheIsHere. Seid kreativ!)

 

Beim nächsten Mal trinken wir Menstruationsblut

Juso1Viel ist bereits über die BH-Verbrennungs-Aktion der JUSO-Frauen* geschrieben und gesagt worden. Warum es also nochmal aufgreifen? Wie so oft lässt sich vieles erst im Nachhinein begreifen.

Als ich das Bild der fünf Aktivist_innen zum ersten Mal sah, glaubte ich nicht an seine Wirkung. Der Anblick halbnackter Frauen* – who cares? Wen provoziert das heute noch? Weit gefehlt. Innert kürzester Zeit krochen die Hater und Nörgler aus ihren Löchern, spuckten Gift und Galle, drohten gar mit Vergewaltigung. Und nicht zuletzt gab es zahlreiche rassistische und trans*feindliche Angriffe.

Im Nachhinein erscheint es wie eine perfekt durchdachte Aktion, denn einige Monate zuvor war – von anderen Aktivistinnen – der Verein Netzcourage gegründet worden, ein Verein, der Hatespeech im Internet strafrechtlich ahndet. Netzgourage machte sich denn auch sofort daran, die Hater anzuzeigen. Und am nächsten Tag war „Women’s March“ in Zürich. Viele Aktivist_innen begegneten sich hier erstmals life. Die Ereignisse im Netz verschalteten sich mit diesem herzerwärmenden und empowernden Gefühl, dass sich in der Schweiz feministisch endlich wieder etwas tut.

Vom Marsch aus beobachteten wir die Hass-Eskapaden im Netz. Und wir kamen aus dem Staunen nicht heraus: Wie Lemminge stürzte man sich auf die Provokateur_innen, und machte Sexismus auf eine Weise sichtbar, wie wir Feministinnen es in der Regel nicht vermögen, egal wie lange wir uns den Mund fusselig reden.

Schlagartig wurde die Kraft dieser Performance-Aktion klar: Frau* muss, um auf den fortbestehenden Sexismus hinzuweisen, einfach ihre alltäglichen Körper ablichten lassen. Und zack führt sich der Sexismus in seiner direktesten Weise gleich selbst vor. Denn sämtliche Reaktionen machten unmissverständlich deutlich: Der weibliche* Körper darf nur dann gezeigt werden, wenn er das Script der Vermarktung und den männlichen Blick bedient. Wenn er nicht gefällig ist und sogar politisch etwas will, dann ist fertig. Ende.

Die Hater zeigten unbeabsichtigt, wie nötig Feminismus ist: So lange sich eine Öffentlichkeit durch nicht-Norm-konforme Körper derart provoziert fühlt, dass sie mit Vergewaltigungs-Drohungen und Rassismus reagiert, kann es gar nicht genug Frauen* geben, die mit ihren nicht perfekten Körpern in den Hochglanz-versauten öffentlichen Raum treten.

Nach den Hatern kamen – auch das so sicher wie der Sonnenuntergang – die Mansplainer, die erläuterten, das wäre keine richtige feministische Politik, nicht der richtige Weg, um auf feministische Anliegen aufmerksam zu machen. Die Frauen* hätten sich diskreditiert, frau könne doch nicht Gleichstellung einfordern, indem sie sich nackt auszieht. Überhaupt wäre es viel wichtiger, real-politische Ziele wie Lohngleichheit umzusetzen. Diese würden mit solchen Aktionen nicht erreicht, sondern man vergraule wichtige politische Akteur_innen.

Man weiss nicht, wo man ansetzen soll bei so viel (schweizerischem?) Unverständnis für Ironie, für performatives Spiel und Aktionskunst. Schliesslich sind solche Aktionen ein uraltes und vielfältig benutztes Mittel, um gesellschaftliche Normen herauszufordern und zu unterwandern: Indem Frauen* ihre Körper zum Einsatz bringen und bewusst mit Klischees spielen, verschieben sie die Klischees nicht nur, sondern führen auch das Normkorsett vor. Im Sinne von: Ihr wollt uns nackt? Gut, dann bittesehr. Aber so, WIE WIR ES WOLLEN. UND NICHT, WIE IHR EUCH DAS VORSTELLT! Die Botschaft: Wir zeigen Euch das ganze Spektrum von Weiblichkeiten. Wir sind Schwarz, Trans, dick, dünn. Und politisch. Deal with it.

Es ist im Prinzip das Schlingensief-Konzept – (wenn es Männer machen, dann ist es offensichtlich cool): Schlingensief fragte: Ihr wollte keine Ausländer? Also baue ich einen Container mitten in der Stadt, sperre dort Asylbewerber_innen ein, über deren Ausschaffung ihr abstimmen könnt. Und führe Euch Euren eigenen Rassismus vor. Ähnliche Vorgehensweisen kennen wir von Pussy Riot, von den Femen oder den Hexen-Aktionen der 1970er Jahre (Walpurgisnacht), bei denen Frauen sich als monströse Hexen mit geheimen Kräften inszenierten. Und wir kennen es von Schwarzen Feministinnen, die, wie Porha O., das Klischee der „Angry Black Woman“ auf die Spitze treiben.

Deutlich wurde in den Kritiken an der JUSO-Aktion auch, was für einen engen Begriff des Politischen viele haben. Für manche gibt es offenbar gerade mal eine oder maximal zwei Formen politischen Handelns. Das Aufrütteln der symbolischen Ordnung zählt in diesem Verständnis nicht dazu. Vergessen wird, dass das permanente Aufzeigen von Sexismus eines der Kerngeschäfte feministischen Handelns ist. Ob wir wollen oder nicht. Denn die üblichen Bildungsinstitutionen machen das nicht, feministisches Wissen gehört bis heute nicht zum Bildungs-Kanon und wird immer wieder ausgelöscht. So dass jede Generation Frauen* wieder von vorne beginnt.

Konkrete Ziele können aber überhaupt erst umgesetzt werden, wenn ein gesellschaftspolitisches Klima herrscht, in dem Frauen*anliegen diskutiert werden, sichtbar und hörbar sind. Und genau das leistet eine solche Aktion. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Vernetzungs-Effekt: Ach, da gibt’s Frauen*, die etwas formulieren, das mir schon lange auf dem Herze liegt…Frauen* müssen füreinander erst wieder sichtbar werden (das heisst weder, dass alle sich ausziehen, noch dass alle der gleichen Meinung sein müssen. Wie gesagt, das Spektrum politischen Handelns ist gross). Solche Aktionen schaffen einen Resonanzverstärkungs-Raum, wie es auch der SchweizerAufschrei oder der Women’s March waren. Es wird für viele sichtbar, dass sie nicht alleine sind, dass ihr diffuses Gefühl, etwas stimme nicht, zutrifft. Das Politische beginnt eben nicht erst dort, wo bereits ein Gesetz verabschiedet wird, eine konkrete Forderung in Erfüllung geht.

Die grösste Bankrotterklärung kam übrigens nicht von Frauenhassern, sondern von Leuten, die sich selber hinter die „eigentlich doch wichtigen Ziele“ der Gleichberechtigung stellten, aber Dinge schrieben wie die „Blick“-Journalistin Cinzia Venafro: Frauen sollten doch besser ihre Weiblichkeit feiern, anstatt mit „gekrümmten Rücken“ posieren. Sie sollten, wenn, dann wie die Femen aussehen, also einen makellosen, barbusigen Körper präsentieren. Denn das sei das wahre weibliche Kapital.

Wie bitte?!

Es ist erschreckend, wie viele ernsthaft der Meinung sind, Frauen* dürften sich nur dann zeigen, wenn sie der Norm-Schönheit entsprechen. „Ich finde ja Feminismus gut, aber bitte nur mit Top-Körpern“. Als gäbe es nur eine Form von Weiblichkeit, nämlich die, die irgendwie den männlichen Vorstellungen entspricht, nicht wahr?!

Dass feministische Anliegen nur dann gehört werden, wenn sie möglichst so formuliert sind, dass niemand sich provoziert oder auf den Schlips getreten fühlt, ist historisch widerlegt. Das Ziel von emanzipatorischen Bewegungen ist auch heute nicht, von Leuten, die mehr Macht und Privilegien haben als man selbst, akzeptiert oder geliebt zu werden. Denn dann ändert sich nie etwas.

In diesem Sinne: Die BH-Verbrennung war erst der Anfang. Beim nächsten Mal trinken wir Menstruationsblut.

Wir können es uns nicht leisten, pessimistisch zu sein

franziskaDer folgende Text ist eine so genannte „Winterrede“, ich habe sie am 19. Januar in Zürich in der Reihe „Winterreden“ beim „Karl der Grosse“ gehalten. Man steht da in einem Erkefenster direkt beim Münster – ein wenig päpstlich – und spricht zu den Leuten auf der Strasse. Danach gibt es Glühwein, Suppe und Diskussionen im sehr gemütlichen Restaurant.

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Ich freue mich sehr, dass ihr zu meiner „Winterrede“ gekommen seid! Das ist hier vom Erkerfenster aus irgendwie pastoral. Ich hoffe, mein Beitrag wird nicht ganz so pastoral.

Mich hat in der letzten Zeit die Frage beschäftigt, wie wir aus einer progressiven, im weitesten Sinne linken Position heraus die aktuellen reaktionären Entwicklungen ‚ertragen’ können, wie wir nicht nur politisch, sondern auch emotional damit umgehen. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich frustriert werde, verhärtet. Manchmal verzweifelt. Oder dauer-empört. Und dass mir dadurch viel Energie verlorengeht. Auch Freude.

Es ist ja nicht so, wie manche meinen, dass sich das so genannte „liberale Zeitalter“ gerade jetzt dem Ende zuneigt. Eine solche Untergangs-Stimmung können sich vermutlich nur ‚Verwöhnte’ leisten, also diejenigen, die es in den letzten Jahren gewohnt waren, eine Stimme, Rechte, Zugang, Anerkennung, auch Geld, Arbeit usw. zu haben. Für viele hat das ‚liberale Zeitalter’ aber nie wirklich begonnen, oder nur begrenzt. Für Frauen aus der Arbeiterschicht, für People of Color, Geflüchtete, für nicht-heterosexuelle Menschen – und viele andere. Für sie gibt es nicht erst jetzt etwas zu beklagen, zu betrauern. Nicht erst, seit Trump gewählt wurde.

Die Untergangsstimmung, die ich seit kurzem bei so genannten progressiven Menschen beobachte, ist also recht bürgerlich. Es ist ein Luxus, dass viele von uns sich erst jetzt mit dem ganzen menschenfeindlichen „Müll“ konfrontiert wähnen. Ich habe vor kurzem Etty Hillesums Tagebücher gelesen, weiter habe ich Sebastian Haffners „Tagebuch eines Deutschen“ gelesen. Beide Bücher handeln aus unterschiedlicher Perspektive von der Frage, was es bedeutet, mit reaktionären Kräften konfrontiert zu sein, und sich ihnen zu widersetzen. Beide haben ihre Gedanken aufgeschrieben in der Zeit vor und während der Machtergreifung der Nazis in Deutschland. Was tun, wenn die Nazis an die Macht kommen? Wir können nicht die damalige Situation eins zu eins vergleichen. Wir haben nicht 1933. Aber ich glaube, dass es Parallelen gibt und wir etwas lernen können von diesen Menschen.

Etty Hillesum war eine niederländische Jüdin, sie wurde im Alter von 29 Jahren in Auschwitz ermordet. Sie war Lehrerin, in den Jahren vor ihrem Tod studierte sie und schrieb. Ihr Tagebuch, „Das denkende Herz der Baracke“, wurde postum veröffentlicht und ein Welterfolg. Es handelt davon, wie ein Mensch unter den widrigsten Umständen nicht aufgibt – nicht sich und nicht die anderen. Es handelt von der Möglichkeit eines inneren Widerstandes, einer inneren Unabhängigkeit und Integrität, bis zuletzt. Dieser Widerstand bedeutet zuallererst, wie Hillesum schreibt, nicht zu hassen – auch nicht die Unterdrücker. Denn sich dem Hass hinzugeben bedeute, sich mit ihnen, sich mit dem ‚Bösen’ gleichzumachen.

Ein Jahr vor ihrer Ermordung schreibt sie: „Und sollte es nur noch einen einzigen anständigen Deutschen geben, dann wäre dieser es wert, in Schutz genommen zu werden gegen die ganze barbarische Horde, und um diesen einen anständigen Deutschen willen dürfte man seinen Hass nicht über ein ganzes Volk ausgiessen. Das heisst nicht, dass man gegenüber gewissen Strömungen gleichgültig ist, man nimmt Stellung, entrüstet sich zu gegebener Zeit über gewisse Dinge, man versucht Einsicht zu gewinnen, aber das schlimmste von allem ist der undifferenzierte Hass. Er ist eine Krankheit der Seele. Sollte ich in dieser Zeit dahin gelangen, dass ich wirklich zu hassen anfange, dann wäre ich in meiner Seele verwundet und müsste danach streben, so rasch wie möglich Genesung zu finden. Der Hass gegen die Deutschen vergiftet unser eigenes Gemüt. Das ist deren wahrer Sieg“.

Während Hillesum aus der Perspektive der Verfolgten schreibt, zeigen Sebastian Haffners Tagebücher die Sicht eines nicht-jüdischen jungen Deutschen, ein Jurastudent aus dem liberal-bürgerlichen Milieu in Berlin, kurz vor der Machtergreifung der Nazis. Haffner beschreibt ein genaues Psychogramm seines Umfeldes: Wie reagieren die Leute? Wer kollabiert, wer verzweifelt? Interessant finde ich vor allem seine Beschreibung einer sich ausbreitenden Untergangsstimmung in liberalen und linken Kreisen. Genau das kommt mir bekannt vor, ich erlebe eine ähnliche Stimmung seit kurzem in meinem eigenen Umfeld, oder an mir selber. Beim Jahreswechsel twitterten viele, 2016 sei ein Horror-Jahr gewesen, und es werde wohl immer schlimmer. Es herrschte Pessimismus. Natürlich stimmt es: 2016 war schlimm. Wieder sind Geflüchtete ertrunken, Trump, Syrien, Erdogan, das Erstarken von AfD, SVP, Front National usw. Es gibt allen Grund zu Sorge. Und es ist wichtig, die Gefahren zu sehen.

Aber können wir es uns leisten, pessimistisch zu sein? Lesen wir Haffner: Er redet nichts schön, kritisiert die Naiven und Schönredner, die Ahnungslosen oder jene, die sich ins Private zurückziehen. Gleichwohl kritisiert er aber auch den „schrankenlosen Pessimismus“ vieler Zeitgenossen in jener Vor-Phase des Nationalsozialismus. Haffner schätzt die Verbitterung als eine typisch bürgerliche Versuchung ein: „Wie völlig hilflos wir geistig waren, mit all unserer bürgerlichen Bildung, vor diesem Vorgang, der in allem, was wir gelernt hatten, einfach nicht vorkam!“

Aufzugeben erschien deshalb als eine verlockende Option, die sich bei vielen in Form eines schrankenlosen Pessimismus zeigte. Man begegnete sich und der Welt mit einer „erschlafften Gleichgültigkeit“, einer masochistischen Breitwilligkeit, sich dem Teufel einfach zu überlassen. Haffner nennt es einen „trotzigen Selbstmord“, der sehr heroisch aussieht – denn „man weist jeden Trost von sich“. Gleichzeitig übersehen diese Leute, so Haffner, dass gerade in dieser Haltung der giftigste, gefährlichste und lasterhafteste Trost liegt.

Folgt man Haffner, strotzte das Bürgertum vor dieser perversen „Wollust der Selbstaufgabe“, einer „wagnerianischen Todes- und Untergangsgeilheit“, denn diese bot eine Tröstung. Diese Leute gingen herum und „greuelten“, Haffner weiter: „Das Entsetzliche ist die unentbehrliche Grundlage ihres Geistes geworden; das einzige, düstere Vergnügen, das ihnen geblieben ist, ist die schwelgerische Ausmalung der Furchtbarkeiten. Vielen von ihnen würde etwas fehlen, wenn sie dies nicht mehr hätten, und bei manchen hat sich die pessimistische Verzweiflung geradezu in eine Art Behaglichkeit umgesetzt“.

Ein schmaler Seitenweg von dieser melancholischen Behaglichkeit führt gemäss Haffner auch zum Nazitum: Wenn doch schon alles egal, alles verloren, alles des Teufels ist, warum dann nicht selber sich zu den Teufeln schlagen? Haffner vermutet im Pessimismus letztlich Kollaboration. Wenn alles schlimm ist, oder – wie heute manche Linke meinen – Obama oder Clinton gleich schlimm sind wie Putin oder Trump – dann ist es egal, wie man sich politisch noch verhält. Diese Haltung aber ist, folgt man Haffner, nicht besser als Kollaboration.

Eng mit der Untergangsgeilheit verknüpft ist auch – wie ich Haffner mit Beobachtungen aus der heutigen Situation ergänzen möchte – die Besserwisserei. Ich beobachte bei linken Kräften oft eine Arroganz der Besserwisserei, und zwar im folgenden Sinne: ‚Wenn die doofe Welt nicht so toll und richtig links, grün, revolutionär, feministisch usw. ist, wie ich mir das vorstelle, dann geht sie mich nichts mehr an. Dann ziehe ich mich zurück auf die Wahrheit, die ich für die Welt vorsehe. Und wähle zum Beispiel nicht mehr, oder tue auch sonst nichts.’

Die Welt, die Gesellschaft, Menschen verdienen aus dieser Sicht meine Aufmerksamkeit und mein Engagement nur dann, wenn sie genauso funktionieren, genau so ticken, wie ich es vorsehe. Aus einer solchen Sicht kann alles als konformistisch, reformistisch, nicht links genug abgetan werden. Aber es ist auch eine bequeme Position, alles nicht radikal genug zu finden, nicht „richtig revolutionär“.

Was Rechtspopulist_innen und autoritäre Verhältnisse aufhalten kann, ist ein Parlament, das demokratische Prozesse gewährleistet. Natürlich sind die vorhandenen demokratischen Institutionen und Prozesse längst nicht perfekt, sie müssen inklusiver werden, freier von wirtschaftlichen Interessen auch. Wir leben mitnichten in einer demokratischen Welt, die es einfach zu verteidigen gälte. System-Kritik, radikales Denken und Utopien sind nach wie vor notwendig. Angela Merkel zum Beispiel ist gegen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, Barack Obama hat Drohnenkriege geführt. Aber gleichwohl ist da ein Unterschied zwischen Bernd Höcke von der AfD und Angela Merkel, zwischen Hilary Clinton und Donald Trump.

Ich denke es ist, wie Judith Butler vor Trumps Wahlsieg sagte: Es ist eher möglich, im Rahmen von grundsätzlich demokratischen Strukturen gegen eine Politik à la Clinton zu mobilisieren, als widerständige Politik zu organisieren, wenn erst einmal autoritäre Strukturen vorherrschen. Es gibt zahlreiche Berichte aus Russland, dass es dort kaum noch eine kritische Zivilgesellschaft gibt. In der Türkei werden täglich Journalist_innen und Intellektuelle verhaftet. So weit sollten wir es nicht kommen lassen, nicht aus Trotz, nicht aus Untergangsgeilheit oder Besserwisserei. Auch in den USA sind Grundrechte nun massiv bedroht, weshalb – wie Butler nach der Wahl konstatierte – von nun auch ziviler Ungehorsam nötig sei, wie zum Beispiel die Nichtumsetzung von Gesetzen.

In der Schweiz, Deutschland oder anderen europäischen Ländern gibt es vorerst noch demokratischen Spielraum, deshalb: wählen wir Sozialdemokraten, Grüne, FDP, CVP. Oder stimmen ab. Oder spenden an Parteien, werben für sie. Eine sozialdemokratische oder liberal-konservative Mehrheit im Parlament ist das, was rechte Politik institutionell aufhalten kann. Man kann die SP, die Grünen suspekt findet, zu wenig radikal, zu wenig feministisch, antikapitalistisch, oder umgekehrt: zu radikal, zu rot. Aber gefährden wir nicht demokratische Grundstrukturen, weil wir besser wissen, wie es sein müsste.

Rechtspopulisten greifen strukturell die Demokratie an, wie die Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp schreibt: „Sie konterkarieren das politische Prinzip der Pluralität, sie setzen Verleumdungen anstelle von Argumenten, vertreten das Recht des Stärkeren, sind nationalistisch, unsozial, gefährlich“. Deshalb kommt Nichtwählen, nicht abstimmen nicht mehr in Frage. Es muss gewählt und abgestimmt werden, um den Machtanteil und Einfluss reaktionärer Kräfte so gering wie möglich zu halten.

Radikale Ablehnung reicht nicht, es braucht auch einen kleinsten gemeinsamen Nenner, Demokratie erhalten und ausbauen zu wollen. Demokratie war bisher – trotz Unzulänglichkeiten, trotz dilemmatischer Voraussetzungen zum Beispiel für Frauen oder nicht-weisse Menschen – die politische Form, die es am meisten Menschen ermöglicht hat, teilzuhaben. Auch in der Opposition, in zivilgesellschaftlicher und ausserparlamentarischer Selbstorganisierung, in künstlerischem Schaffen oder im Philosophieren. Dass diese Dinge möglich sind, ist ja ebenfalls Teil von Demokratie.

Neben dem gemeinsamen demokratischen Nenner können wir autoritären Kräften gleichzeitig nur mit Durchlässigkeit begegnen. Es gibt nicht die ein für allemal richtige Formel für ein gerechtes und gutes Leben für alle. Demokratie ist ein kontinuierlicher Prozess der Aushandlung und Veränderung. Man kann nie sicher auf der richtigen Seite stehen, es gibt nicht die eine Vision von der besseren Welt, der Revolution oder vom Fortschritt. Man kann dem Autoritären nicht mit Autoritarismus begegnen. Und wir wissen, welche blinden Flecken oder gar diktatorische Systeme Utopien entfalten können.

Auch wer es gut meint, ist nicht selten Teil von Machtmechanismen, reproduziert diese mit. Altruismus oder Humanitarismus können Strategien sein, sich selbst aus allem herauszunehmen, eine Art Position der Unschuld oder gar Überlegenheit zu reklamieren. Dabei verliert man den kritischen Blick auf das eigene Ich, verliert den Blick für die eigene Begrenztheit, Verletzbarkeit und Angreifbarkeit (Butler). Gemäss Butler ist die Erkenntnis der eigenen Verunsicherung die Voraussetzung dafür, nicht selbst in gewaltvolle oder autoritäre Positionen zu verfallen.

Es ist deshalb wichtig zu realisieren – und das steht weder im Widerspruch zur parlamentarischen Politik noch zu Massenaufständen auf der Strasse – dass das Politische überall ist, auch in der persönlichen Haltung. Es ist politisch, sich der pessimistischen Verzweiflung hinzugeben, Besserwisserei ist politisch. Politisch ist aber auch die Entscheidung einer einzelnen Frau (Hillesum), innerlich nicht zu verhärten, sich nicht auf die Logik des ‚Feindes’ einzulassen.

Wenn wir den Bereich des Politischen erweitern, wird es vielleicht eher gelingen, nicht zu verzweifeln, sich nicht dem Untergang, dem Schrecklichen hinzugeben, sondern auch vom Standpunkt der eigenen Freiheit und Möglichkeiten ausgehen zu können. Und zum Beispiel, wie Hillesum, an einer inneren Integrität zu arbeiten. Diese ‚innere’ Arbeit ist eine wichtige Voraussetzung, um auch ‚äusserlich’ handeln zu können und den Kampf gegen äussere Zwänge, gegen Diskriminierung, Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung aufzunehmen. Die italienischen Diotima-Philosophinnen plädieren dafür, nicht nur die Unterdrückung zu bekämpfen oder abzulehnen, sondern auch vom Standpunkt einer bereits möglichen Freiheit auszugehen. Also von der Frage: Selbst wenn vieles schlecht läuft und es Zwänge gibt, wo ist der Punkt, an dem ich bereits hier und jetzt Freiheit umsetzen kann? Ich will nichts schön reden und bin mir meiner eigenen Privilegien bewusst. Gleichwohl denke ich: ausschliesslich darauf zu fokussieren, was alles schief läuft, bedeutet, sich selbst nicht als handelndes Subjekt zu sehen. Man ‚entmachtet’ sich selbst.

Oder anders ausgedrückt: Mit der Kritik an Herrschaft ist zwar die Bedeutung und die Wucht der Herrschaft benannt, aber es bleibt unsichtbar, was sonst noch geschieht. Reproduziert wird die Vorstellung, es gebe kein Anderswo der Geschichte, kein Anderswo des Politischen, kein Anderswo der Existenz. Wer nur das Falsche ablehnt, lässt sich auf die Logik dessen ein, was er_sie ablehnt. Man richtet sich im Feld des Kritisierten ein und akzeptiert, selbst wenn man es bekämpft, die Dimension, die Richtung und den Raum des Kritisierten. Es entsteht eine „rebellische Abhängigkeit“ (Wanda Tommasi), die ständig sich auf das beziehen muss, was sie ablehnt.

Die Philosophin Simone Weil argumentierte in ihrer Arbeit zu Hegels Herr-Knecht-Überlegungen, dass sich die Macht der Herrschenden ohne das innere Einverständnis der Beherrschten nicht halten könne. Der ‚Knecht’ – um beim Hegel-Bild zu bleiben – sei zwar objektiven Zwängen unterworfen. Er könne sich aber auch fragen, inwieweit er innerlich dem Wertemassstab derer zustimmt, die ihn beherrschen. Weiter kann er überlegen, wie er diesen verschieben kann. Folgt man Tommasi und Weil, ist die wichtigste Arbeit der Unterworfenen, ihre Zustimmung zur Unterwerfung innerlich aufzukündigen – damit die äusseren Zwänge äussere bleiben, und nicht das Innere auffressen.

Wie soll das gehen? Tommasi schreibt, eine solche Aufkündigung sei möglich, indem man die eigene Unterschiedlichkeit gegenüber dem ‚Herrn’ betone und versuche, diese Unterschiedlichkeit in gesellschaftlichen Umlauf zu bringen. Für sie ist klar, dass wir einer anderen Welt nur näher kommen, wenn wir deutlich machen, dass diese ein Stück weit schon da ist.

Ich habe vor kurzem mit einer Frau aus Ghana gesprochen, sie lebt seit 20 Jahren in der Schweiz. Sie hat viele Erfahrungen mit Rassismus gemacht und macht sie noch immer. Aktuell hilft sie einer Frau aus Pakistan, deren Mann gestorben ist und die keinen legalen Aufenthaltsstatus hat. Während ihrer gesamten Ferien war die Frau aus Ghana mit der Frau aus Pakistan auf Ämtern, bei der Sozialhilfe. Die Frau aus Ghana sagte mir: Ich überlege nicht, ob ich Zeit habe, wenn jemand Hilfe braucht. Ich tue einfach das Notwendige. Und ich helfe damit nicht nur der anderen Frau, sondern auch mir selbst. Denn das Notwendige zu tun, steht der Logik unserer Welt entgegen. Es ist gut zu spüren, dass ich es anders mache.

Eine andere Welt ist also schon da. Wenn wir sie zu sehen bereit sind.

Die Burka in der Bankenrepublik

Weshalb es bei der Einbürgerungsvorlage um mehr als nur um Fakten geht

Ein Gastbeitrag von Bernhard C. Schär

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Myth-Busting von Operation Libero gegen die SVP-Plakate

Die SVP-Propaganda gegen die Erleichterte Einbürgerung der so genannten Dritten Genration wurde in den letzten Tagen heftig kritisiert. Das SVP-Plakat, das an allen grösseren Schweizer Bahnhöfen hängt, zeigt eine mit Burka verhüllte Frau und den Slogan ‚Unkontrolliert einbürgern? Nein!‘. Operation Libero, aber auch die führenden Medien der Deutschschweiz sowie gewichtige Stimmen aus der Linken und der FDP werfen der SVP vor, mit falschen ‚Fakten‘ zu polemisieren. 98.6% seien europäische Ausländerinnen und Ausländer, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Burkaträgerin eingebürgert werde, tendiere daher gegen null.

Diese Kritik ist aus mehreren Gründen problematisch.Sie verschweigt erstens, dass das primäre Problem der SVP-Propaganda nicht ihre Faktenwidrigkeit ist, sondern dass sie rassistisch ist. Zum wiederholten Mal suggeriert die rechte Milliardärspartei, dass (konservative) Muslime eine Bedrohung für die Schweiz darstellen und prinzipiell nicht eingebürgert werden sollen. Die von Operation Libero und deren journalistischen und politischen Sprachrohre eingebrachten „Fakten“ wirken auf den ersten Blick zwar überzeugend. Sie basieren aber auf einer wackeligen Prämisse. Sie ignorieren, dass sich unter den 98.6% europäischen Ausländerinnen (und auch unter den Schweizerinnen) durchaus auch Muslimas finden. Dass etliche von ihnen sich eines Tages vielleicht in eine Burka oder ähnliches hüllen wollen, ist nicht auszuschliessen. Schliesslich ist die Burka in Europa in vielen Fällen kein Importprodukt, sondern hausgemacht. Sozialwissenschaftlich ist hinreichend bekannt, dass Immigrantinnen und Immigranten der zweiten oder dritten Generation auf generationenübergreifende Erfahrungen von Diskriminierungen und Rassismus zuweilen mit dem Rückzug auf eine hochkonservative Interpretation der ‚Kultur‘ ihrer Eltern oder Grosseltern reagieren.

Der reaktionäre Konservativismus der europäischen Alteingesessenen, vertreten etwa durch die SVP, und Teile der neu zuwandernden Migrationsbevölkerung bringen sich paradoxerweise also wechselseitig hervor. Die britische Schriftstellerin Zadie Smith hat dazu vor etlichen Jahren einen brillanten Roman geschrieben (Zähne zeigen). Mit anderen Worten: Gut möglich, dass sich die ‚Fakten‘ der Operation Libero & friends dereinst als falsch entpuppen.

Wer schweigt, signalisiert Zustimmung

Aber selbst wenn wir nun von diesem Nebenschauplatz absehen, hat das ‚Faktenargument‘ ein anderes, viel wesentlicheres Problem: Qui tacet consentire videtur – wer schweigt, signalisiert Zustimmung. Der Verzicht auf die Rassismus-Kritik stellt Operation Libero sowie die linken und liberalen Kräfte, die ihrer Strategie folgen, in ein komplizenhaftes Verhältnis zu ihrem politischen Gegner – der SVP. Mit dem Verschweigen des rassistischen Gehalts des Plakat entsteht der Eindruck, man teile die Vorstellung, dass nicht-europäische Menschen, vor allem Muslime, tatsächlich keinen Teil der Schweiz bilden können.

Diese Haltung hat, nicht nur in der Schweiz, eine lange Geschichte. Sie wurzelt in der Gründungszeit der Schweiz in der Mitte des imperialen 19. Jahrhunderts. Der damals weitherum geteilte Konsens lautete, dass es grundsätzlich zweierlei Kategorien von ‚Fremden‘ gebe: Zum einen die ‚zivilisierten‘ und daher ‚assimilierbaren‘ – dazu zählten typischerweise christliche – idealerweise protestantische, aber zur Not auch katholische – Europäerinnen und Europäer. Zum anderen gab es die ‚unzivilisierten‘ und folglich wesensfremden, nicht-assimilierbaren Fremden, zu denen nebst den ‚Orientalen‘ auch die mit dem N-Wort bezeichneten Menschen aus Afrika sowie Jüdinnen und Juden, vor allem aus dem Osten, zählten. Von dieser in der Kolonialzeit entstandenen Unterscheidung zwischen assimilier- und nicht assimilierbaren ‚Fremden‘ war die europäische und schweizerische Fremdenpolitik das ganze 20. Jahrhundert hindurch geprägt – und ist es bis in die Gegenwart.[1]

Die Kritik am Verschweigen des SVP-Rassismus wurde in den letzten Tagen mit Hinweis auf ‚Pragmatismus‘ gekontert. Rassismus als solchen zu bezeichnen sei kontraproduktiv und gefährde den Erfolg der Einbürgerungs-Initiative. Man müsse, zugespitzt formuliert, den Rassismus hinnehmen und versuchen, die Wählerinnen und Wähler der Mitte mit „Fakten“ zu überzeugen. Nur so könne man die Einbürgerungshürde für die Dritte Generation abbauen. Dieser Konter ist meines Erachtens aus zwei Gründen problematisch. Erstens: Der Gang an die Urne ist ja ein Ausdruck von Demokratie. Rassismus ist das Gegenteil von Demokratie. Es stellt sich also die philosophisch-ethische Frage, welchen demokratischen Wert ein allfälliger Sieg an der Urne hätte, wenn er durch ein Schweigen zu Rassismus ‚erkauft‘ würde. Um es ganz deutlich zu machen: Angenommen, das SVP-Plakat würde anstatt einer Burkaträgerin eine orthodoxe Jüdin abbilden, würden wir einen Sieg, der durch Schweigen zu Antisemitismus errungenen wurde, ebenfalls als ein Sieg der Demokratie empfinden?

Es geht um ein anderes Selbstbild der Schweiz

Zweitens ergibt sich ein weiteres Faktenproblem. Laut einer Recherche des Journalisten Fabian Renz scheint faktisch nur ein kleiner Teil der Dritten Generation an der Einbürgerung interessiert zu sein. Im Jahr 2015 wurden nur etwa 4.5% AusländerInnen der dritten Generation eingebürgert. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Es hat sicherlich mit den hohen Hürden und Kosten zu tun. Viel wichtiger ist jedoch, dass der Schweizer Pass – insbesondere für EU-AusländerInnen – gar nicht so attraktiv ist. Zumal dann nicht, wenn die Schweizer Staatsbürgerschaft mit dem Verlust der anderen einhergeht. Man kann mit EU Pass ebenso gut in der Schweiz lieben, leben und arbeiten wie mit Schweizer Pass. Der einzige Vorteil des roten Passes ist die politische Mitsprache. Wer sich nicht für Politik interessiert, wird davon kaum angesprochen. Und viele, die sich für Politik interessieren, interessieren sich für die politisch meist viel gewichtigeren Fragen der EU-Staaten. Als Letztes kommt hinzu: wer erlebt hat, wie schäbig die eigenen Grosseltern und Eltern in der Schweiz oftmals behandelt wurden und den ausländerpolitischen Diskurs der Gegenwart verfolgt, hat gute Gründe zu sagen: ‚Wenn ihr uns nicht wollt, dann rutscht uns doch den Buckel runter!‘.

Kurzum: Nur eine Minderheit der Dritten Generation würde wohl von der erleichterten Einbürgerung Gebrauch machen. Und das heisst wiederum: Es geht bei der aktuellen Vorlage gar nicht primär um die Dritte Generation. Es geht vielmehr um die Seelenmassage der linken und liberalen alteingesessenen Schweizerinnen und Schweizer – es geht um ihr Selbstbild: Sehnen sie sich nach einer weissen-christlichen Schweiz, folgen sie der SVP und lehnen die Vorlage ab. Sehnen sie sich nach einer etwas liberaleren Schweiz, nehmen sie die Vorlage an. Da es also bei der Initiative selbst primär um Symbolpolitik zu gehen scheint: wieso nutzen wir aufgrund der Plakat-Debatten nicht die Chance, um die tatsächlich entscheidende Kontroverse zu führen? Das globalisierte 21. Jahrhundert wird nur schon wegen der demografischen Entwicklung weniger christlich und weniger weisse werden – auch in der Schweiz. Das verlangt nicht bloss nach Minireformen für die Dritte Generation, sondern nach einer schweizerischen Identiät, in der Rassismus grundsätzlich keinen Platz hat.

Ablenkunsmanöver von der USR 3?

Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt. Wie alle SVP-Kampagnen ist auch die hier diskutierte enorm teuer. Wir wissen nicht genau, wie viel Geld die Partei ausgibt und woher das Geld für die konkrete Kampagne stammt. Ganz allgemein gesprochen ist aber die Überrepräsentation von Milliardären und Millionären in der ‚Volkspartei‘ Folge und Ausdruck des Siegeszuges eines seit den 1980er Jahren entstehenden neuen Finanzkapitalismus, dem sich die bürgerliche Mehrheit der Schweiz seit Jahrzehnten ganz gezielt andient. Zum einen, wie 2008 klar geworden ist, durch die implizite Staatsgarantie für die Schweizer Grossbanken, unter deren Führung der Schweizer Finanzplatz ca. ein Drittel des globalen Privatvermögens verwaltet. Zum anderen durch eine Steuerpolitik, die Kapitalerträge entlastet.

Die Steuerpolitik der schweizerischen Bankenrepublik zog nun lange Jahre nicht bloss ‚Weissgeld‘, sondern auch die ‚Assets‘ von Steuerbetrügern und Schwarzgeldwäscher an, was nach der Finanz- und Schuldenkrise 2008 von den USA und der EU nicht mehr toleriert werden konnte. Seither wurden diverse Schritte unternommen, die Bankenrepublik an die neuen Regeln der OECD anzupassen. Ein Herzstück ist die sogenannte Unternehmenssteuerreform 3 (USR 3), über die wir im Februar ebenfalls abstimmen.

Es ist nun wichtig zu sehen, dass einige der Hauptpromotoren und -profiteure der steueroptimierenden Bankenrepublik in der SVP sitzen, die mit einem Teil ihrer Gewinne, die ‚Buurezmorge‘, Burkaplakate usw. ihrer Partei finanzieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass das provokative Burka-Plakat gar nicht primär dem Zweck dient, die Einbürgerungshürden für Ausländer der Dritten Generation – die sich ohnehin nur selten für den roten Pass interessieren – hoch zu halten. Vielmehr geht es womöglich darum, die öffentlich-politischen-journalistischen Ressourcen weg von der USR 3 Diskussion zu lenken. Die zu erwartenden 2-3 Milliarden Steuerausfälle hätten wirklich einschneidende Folgen. Dass mit der bürgerlichen Steuerpolitik insbesondere auch Kapital aus Saudiarabien und anderen Staaten angezogen werden soll, die Frauenrechte u.a. mit dem Verhüllungszwang beschneiden, verstärkt den Zynismus der Ausländerpolitik in der helvetischen Bankenrepublik (von den Waffenlieferungen an diese Staaten ganz zu schweigen).

Kurzum: ‚Fakten‘ sprechen nie für sich. Sie müssen ausgewählt, arrangiert und interpretiert werden. Im konkreten Fall lenkt die Faktenkampagne von Operation Libero, weiten Teilen der Medien sowie der politischen Linken und Liberalen von entscheidenden Fragen ab: Ist eine Demokratie, die zu Rassismus schweigt, wirklich demokratisch? Sollten wir nicht in erster Linie über die USR 3 reden, die auf Kosten ‚des Volkes‘ jenes Kapital weiter entlasten würde, mit der die ‚Volkspartei‘ ihren Traum von der eidgenössisch homogenen Bankenrepublik im Dienst der globalen Finanzoligarchie finanziert?

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[1] Sie zeigte sich namentlich im schweizerischen Dreikreisemodell, sowie aber auch in der Unterscheidung zwischen EU/Efta Ausländern und ‚Übrigen‘.

Literatur zum Thema:
Damir Skenderovic, Fremdenfeindlichkeit, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 5.5.2015

Sébastien Guex, Finanzplatz: in: Historisches Lexikon der Schweiz, 6.11.2012

Jakob Tanner, Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert, München 2015, S. 466-550.

„Ich möchte als eine der unendlich vielen Varianten von Frausein akzeptiert werden“

Myshelle Baeriswyl erlebt als Transfrau auf Online­-Plattformen oft Anfeindungen von lesbischen Frauen. Ein Gespräch über das Verhältnis zwischen lesbischen Cis-Frauen[1] und lesbischen Trans*frauen, über Transphobie in der lesbischen Community und über die Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit.

(Das folgende Gespräch führte Dominique Graf, es wurde zuerst von LOS-INFO (Zeitschrift der Lesbenorganisation Schweiz) veröffentlicht)

Wie äussert sich die Transphobie bei lesbischen Frauen?

Es ist mir wichtig, gleich zu Beginn festzuhalten: Es geht mir nicht um ein generelles Bashing der Lesbenszene. Ich will – aufgrund meiner Erlebnisse auf Plattformen wie her2her oder ganz besonders auf GayParship – auf Untiefen und blinde Flecken im Verhältnis zu Transfrauen aufmerksam machen. Sie äussern sich in Aussagen wie «Ihr seid doch alle krank» oder «Ich suche eine richtige Frau» oder «Mein Gott, du bist trans – bist du wenigstens operiert?» oder «Ich habe kein Coming­out gemacht, um wieder mit einem Mann etwas anzufangen».

Diese Reaktionen veranlassen mich, zu hinterfragen: Warum werden wir als Transfrauen auf unsere Körperlichkeit, unsere Vergangenheit reduziert und als nicht weiblich eingestuft? Und was können wir tun, um es zu verändern?

Lesbische Frauen erleben auch Diskriminierung. Dies könnte ja ihr Gespür für Diskriminierungen jeglicher Art stärker machen als Menschen, die Ausgrenzung nie selbst erfahren. Woher kommt Ihrer Meinung nach also die Transphobie bei frauenliebenden Frauen?

Ich stelle fest, dass ich Probleme mit zwei Bevölkerungs­gruppen habe: Es sind einerseits jüngere Männer zwischen 14 und 25 Jahren und andererseits lesbische Frauen. Also habe ich mir die Frage gestellt, was die beiden Gruppen ver­binden könnte. Vielleicht ist es die prekäre Männlichkeit bzw. die prekäre Weiblichkeit. Jüngere Männer sind noch auf der Suche nach ihrer Männlichkeit. Sie testen sie aus, etwa im Ausgang als Gruppe, wenn sie Frauen anmachen. Trans­frauen sind noch aggressiveren Anpöbelungen ausgesetzt, als es Cis-Frauen eh schon sind.

Bei Lesben steht ihre Weiblichkeit unter Druck, weil die Gesellschaft sie in Frage stellt. Sie müssen sich ständig behaupten, werden diskriminiert. Und zusätzlich gibt es ja auch innerhalb der Community Diskussionen darüber, was richtig weiblich oder richtig lesbisch ist. Diese Situation führt zu Verunsicherung und biologistischen Positionen. Da sind Transfrauen eine weitere Herausforderung. Sie lösen das Gefühl aus: Es ist schon schwierig genug ohne euch, bleibt also draussen.

Wie kann diese Ablehnung aufgelöst werden?

Das Kernproblem ist die Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit: Es gibt nur Frau und Mann. Ich rede in meinen Vorträgen nicht in erster Linie über Trans*, sondern vor allem über Heteronor­mativität und Gender-­Binarität und darüber, wie dominant sie in unserer Kultur sind. Welche Gruppen werden durch Heteronormativität ausgeschlossen, ja sogar pathologisiert? Wir wachsen alle ab dem Babyalter in der Zuteilung zu Frau und Mann auf. Wir stecken alle in dieser zweigeschlecht­lichen Sozialisation. Dabei ist es kaum möglich zu definie­ren, was eine Frau oder einen Mann ausmacht, wenn man nicht die Genitalien als Referenz heranzieht. Wäre die Ein­teilung nicht so kategorisch, könnte sich die Vielfalt an Geschlechtern entfalten. Das kommt schön zum Ausdruck in meinem Lieblingszitat: Geschlecht ist ein Universum vol­ler Sterne, und wir alle suchen nach unserer Konstellation. Jeder Mensch hat einen eigenen unverwechselbaren Genderprint.

Wir muüssen über Rollenbilder, über Frauen-­ und Männerbil­der nachdenken. Die Auswirkungen patriarchalen Denkens – es reduziert Frauen auf ihren Körper, es definiert die «rich­tige» weibliche Kleidung oder das «richtige» weibliche Ver­halten – spüren alle Frauen. Wir sollten diese Muster nicht übernehmen. Wir sollten selbstbewusst sein und so leben, wie wir sind oder sein wollen.

Genau darum geht es ja auch den lesbischen Frauen, oder?

Ja, das ist auch ihr Anspruch. Darum verletzt es mich so stark, wenn ich von lesbischen Frauen derart geballte Ablehnung erfahre. Wenn wir uns untereinander auch noch spalten – in richtiges und falsches Frausein, in richtiges oder falsches Lesbischsein –, dann haben wir ein grosses Problem: Wir machen uns dadurch weniger stark, als wir es eigentlich sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht offen und ohne Scheuklappen über unsere Frauenbilder diskutieren sollen. Aber diese Diskussion soll nicht im patriarchalischen Schab­lonendenken stattfinden. Wir müssen den Finger auf die blinden Flecken legen, über Stereotype nachdenken und sie hinterfragen – das Geschlecht sitzt nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.

Ich richte diesen Appell auch an die Transszene, denn auch dort gibt es eine stark verinnerlichte Transphobie, hetero­normative Muster und binäres Denken. Es fehlt vielen Trans­menschen auch oft an feministischem Bewusstsein. Wir transzendieren Zweigeschlechtlichkeit nicht, sondern zementieren sie. Das bringt uns als politische Bewegung nicht weiter – weder in der Trans*­ noch in der Lesbenszene. Wir müssen keinen Bückling machen oder uns diesen Machtmustern anpassen. Damit wir – und ich meine mit «wir» alle Frauen – akzeptiert werden, müssen wir nicht unser Verhalten ändern, sondern über Sexismus, Hetero­normativität sowie das Zwangskorsett der Zweigeschlecht­lichkeit nachdenken und uns von diesen Zurichtungen befreien. Das wäre ein Gewinn für alle Menschen.

Wie sollte eine möglichst vorurteilslose Begegnung sein?

Es wäre schön, wenn ich mich nicht immer erklären müsste, mich nicht immer defizitär fühlen müsste. Ich möchte als eine der unendlich vielen Varianten von Frausein akzeptiert werden. Voraussetzung dafür ist, dass eine andere Person – also auch eine lesbische Frau – im Kontakt mit mir bereit ist, sich mit sich selbst, ihrer Rolle und ihrer Geschlechtlichkeit auseinanderzusetzen. Dafür braucht es von beiden Seiten Offenheit und selbstkritisches Denken.

Wir lesbischen Frauen – egal, ob trans* oder cis – sollten nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander: Nur so kommen wir im politischen Kampf für unsere Rechte als Frauen weiter.

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[1] Cis­-Gender (Cis­-Frau, Cis­-Mann): bezeichnet Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht überein­ stimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Cis- und Begriffe wie cisgender, wurden von der Trans*Bewegung eingeführt, um Trans* nicht immer als Abweichung von der Norm zu definieren.

 

Recalaim Anger. Eine Hommage an weibliche* Wut

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„Anger is a source of creative energy. Rage sear the hearts of female poets and female critics“ (Jane Marcus)

(Den folgenden Beitrag habe ich an unserer Veranstalung „Reglaim Anger“ im Neumarkt Theater Zürich vorgetragen)

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Die verstorbene Schwarze Feministin Audre Lorde schreibt 1981: „Meine Antwort auf Rassismus ist glühender Ärger. (…) Ich habe gelernt, diesen Ärger zu nutzen, ehe er meine Visionen verzehrte. Früher tat ich es im Stillen, aber diese geballte Ärger machte mir Angst. Aus meiner Angst vor diesem Ärger habe ich nichts gelernt (…). Ausgesprochener Ärger ist meine Antwort auf rassistische Einstellungen und Verhaltensweisen“.

Brauchen wir mehr Wut? Jetzt, wo wir die Wutbürger haben? Wut ist zu einem Paradigma unserer Zeit geworden. Sie zeigt sich bei der Wut islamistischer Terroristen, bei den Trumps und Pegidas. Aber: Ist Wut nur als Motor zur Zerstörung denkbar? Ich glaube es gibt einen Unterschied zwischen Hass und Wut. Aber diesen Unterschied gilt es wieder zu entdecken.

Ich bin natürlich nicht die erste, die darüber nachgedacht hat. Eine lange Tradition von Denkerinnen und Aktivistinnen haben sich mit Wut beschäftigt: Virginia Woolf, Iris von Roten, Hélène Cixous, Audre Lorde, Sarah Ahmed, in der Schweiz aktuell auch Patricia Purtschert und Fork Burke – um nur einige zu nennen. Sie alle stellen die Frage, ob und auf welche Weise Wut befreiend sein kann.

Für Iris von Roten war Wut ein Mittel, sich gegen die Selbstgefälligkeit in der Schweiz zu stellen (siehe den Beitrag von Patricia Purtschert, in dem sie die unterschiedlichen Wut-Konzepte von Iris von Roten und Audre Lorde zusammenbringt). Überall in ihrem Werk findet man Wut, von Roten richtet sich gegen die Selbstgefälligkeit von Männern, gegen die Kuschelpolitik der bürgerlichen Frauen, gegen die schweizerische Mentalität und ihre Mythen, wie Purtschert schreibt. Ihre eigensinnige Mischung aus Analyse, Sprachgewalt, Ironie und Wut ist auch heute eine Provokation. Von Roten: „(…) mir scheint, die Frauen hätten zu häufig gute Miene zum bösen Spiel gemacht, zu häufig Kränkendes überhört. Ich halte es für nötig, dem Missfallen Ausdruck zu geben, die Selbstverständlichkeiten zu erschüttern.“ Frauen, so sagt sie, werden dazu angehalten, den Impuls des Widerstandes zu unterdrücken. Sie schrieb vom Kochen, Putzen, Häkeln als Disziplinartechniken, die den Lebensbereich der Frauen eingrenzen.

Aber schon im 19. Jahrhundert hat eine ganze Reihe von Frauen eine Form intellektualisierter Wut als Ausdrucks-Methode entwickelt: Charlotte Brontë und Virginia Woolf arbeiteten mit der Figur der „Mad Woman“. Es ging darum, sich die patriarchalen Zuschreibungen der hysterischen, der verrückten und wütenden Frau, des Monsters, der bösen Stiefmutter, der Hexe, der Medusa selbstbestimmt anzueignen.

In der Kulturgeschichte des Abendlandes ist weiblicher Zorn negativ konnotiert, in der Psychoanalyse haben wir die verschlingende Frau, die den Mann verzehrt, um sich den Penis einzuverleiben, um ihren Penis-Neid zu kompensieren. Die Frau repräsentiert einerseits das gefährliche Weibliche, das Unkontrollierte und Hysterische. Andererseits aber bleibt sie als Subjekt unsichtbar, sie handelt immer aus dem Mangel heraus. Sie will sich etwas einverleiben, das sie nicht hat. Die ‚männliche‘ Angst vor dem ‚Weiblichen‘ besagt: ‚Nicht ich habe Angst vor der Frau – sie ist böse.‘

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„A nation that don’t value your tongue will cut it out. I know who is the killer and fron where joy comes from“ (Fork Burke)

Historisch gesehen ist also weibliche Wut problematisch, weil diese Zuschreibungen es immer wieder möglich machten, Frauen als irrational abzuweisen. Wir können aber weibliche Wut auch gegen den Strich lesen, und sie als vernünftige Antwort auf Ungerechtigkeit interpretieren. Zum Bsp. schlägt Audre Lorde vor, die Unterscheidung von Vernunft und Wut, nicht zu akzeptieren. Denn es ist genau diese Unterscheidung, die ein System aufrecht erhält, in dem Frauen als emotional abgewertet werden, und Vernunft als männliche Eigenschaft den Platz einer überlegenen Perspektive einnimmt. Aber Wut steht nicht im Gegensatz zu Vernunft, sie ist nicht Ausdruck von Partikularinteressen, sondern ist Ausdruck eines ungerechten Allgemeinen.

Frauen erleben Ärger und Wut oft als Bedrohung. Sie haben gelernt, dass ihr Leben von der Gunst der patriarchalen Macht abhängt, von der Anerkennung durch Männer. Sie mussten vermeiden, jemand anderen ärgerlich zu machen, weil sie sonst als schlechte Mädchen abgestempelt wurden, als Mädchen, die nicht taten was man von ihnen erwartete. Wenn Frauen ihrem Ärger Luft machen, bekommen sie oft zu hören, dass sie Spielverderberinnen, „Killjoys“ (Ahmed) sind. Oder dass sie Kommunikation und Zusammenarbeit blockieren. Jemand schrieb an Audre Lorde: „Weil du Schwarz und lesbisch bist, scheinst du mit der moralischen Autorität des Leidens zu sprechen“. Lorde antwortet: „Ja, ich bin schwarz und lesbisch, und was ihr in meiner Stimme hört, ist nicht Leiden, sondern Zorn, nicht moralische Autorität, sondern Ärger. Das ist ein Unterschied.“

Lorde unterscheidet zwischen Wut und Hass: „Wenn ich im Zorn zu euch spreche, habe ich wenigstens mit euch gesprochen. Ich habe euch keine Pistole an die Schläfe gesetzt und euch nicht auf offener Strasse niedergeschossen.“ Hass – auch sprachlicher – zielt auf die Auslöschung der anderen Person, das sogenannte Silencing. Die Wut, die Lorde meint hingegen will nicht Unterwerfung. Wut reagiert vielmehr auf die Schwierigkeit, unter extrem ungleichen Bedingungen gemeinsam handeln zu können (ausführlich siehe Purtschert).

Noch vor dem Gefühl der Wut aber kommt die Erfahrungen von Schmerz und Verletzung. In den 70er Jahren wurde Schmerz oft zum Gegenstand einer „therapeutischen Identität“. Verletztheit wurde fetischisiert. Das Problem ist gemäss Sarah Ahmed, dass Verletzungen dadurch von ihrer Geschichte abgetrennt und individualisiert werden. Ahmed rät, Schmerz in Wut zu transformieren: „Moving the pain into the public“. Die Erfahrung des Schmerzes müsse über die rein individuelle Empfindung hinausgehen, verknüpft werden mit kritischem Bewusstsein über Strukturen und Systeme und dem Gefühl, dass der Schmerz falsch, das heisst ungerecht ist. Dann ist Wut plötzlich etwas etwas Energetisierendes, etwas Visionäres!

Und etwas Verbindendes: Audre Lorde ging es auch darum, ein ‚Wir‘ zu formieren, auch wenn dieses nur durch Dissonanz zustande kommen kann. Und eben durch Wut. Denn Frauen haben verschiedene Ausgangspunkte oder Erfahrungen, es machen nicht alle die gleichen Diskriminierungserfahrungen. Frauen sind Schwarz, weiss, Migrantinnen, Arbeiterinnen, Intellektuelle, Lesben, Transfrauen…Das führt auch zu Unverständnis und Wut untereinander. Lorde weist darauf hin, dass es kein einheitliches feministisches Subjekt geben kann, Frauen sind keine einheitliche Kategorie.

Lorde zeigt, dass die Stärke gerade darin besteht, Unterschiede zwischen Frauen als etwas Gutes zu begreifen, denn Ärger bewirkt Veränderung, nicht Zerstörung. Schwarze und weisse Frauen zum Beispiel können nicht einfach eine harmonische Einheit bilden. Aber sie können ihre Unterschiede durcharbeiten: den Kampf für Freiheit zu einem gemeinsamen zu machen bedeutet, zu erkennen, wie unterschiedlich die beteiligten Frauen sind. Während sich, wie Lorde schreibt, weisse Frauen an die „kleinen süssen dunkelhäutigen Kinder auf der anderen Strassenseite erinnern“ oder an das „geliebte Kindermädchen“, erinnern sich schwarze Frauen auch an die schmerzhafte Botschaft des Taschentuchs, das die Mutter der weissen Frau damals auf der Parkbank ausbreitete, weil das Schwarze Mädchen gerade da gesessen hatte. In diesen Erinnerungen ist ein Konflikt, ein Schmerz- und eben Wut.

Frauen werden oft als kollektive Identität in einen Topf geworfen, und dabei die weisse Frau als Massstab gesetzt. Das sollten wir nicht selber immer und immer wieder reproduzieren. Sondern die Differenzen betonen, und damit auch die Beziehungen zwischen Frauen anders erzählen, als Beziehungen der Reibung zwischen Subjekten, die einander dadurch auch Autorität geben.

Mit der Parkbank zeigt Lorde die Grenzen einer gemeinsamen ’schönen‘ Genealogie. Purtschert folgert: Die Szene auf der Parkbank sei keine schöne Geschichte, aber sie ist gleichwohl eine gemeinsame. Die Wut zwischen Frauen ermöglicht neue Formen der Kollektivität. Eine subversive Kollektivität, in der sich Subjekte an Subjekte richten. Nicht unter einer Zwangsidentität oder unter einheitlichen feministischen Idealen, die alle verkörpern müssen. Wut schafft Verbindungen, die immer wieder neu ausformuliert werden, in denen es immer auch Unbehagen und Reibung gibt. Oder wie Ahmed schreibt: „We need to stay uncomfortable within feminism“.

Die wenigsten Frauen haben Fähigkeiten entwickelt, ihren Ärger in konstruktiver Weise anzugehen. Zwar wurde in vielen Selbsthilfegruppen daran gearbeitet, Ärger auszudrücken, aber selten Ärger aufeinander. Wir müssen aber auch lernen, mit dem Ärger anderer Frauen umzugehen.

Wut beinhaltet nicht zuletzt auch Freude und Kreativität. Ahmed spricht von der wütenden Verwunderung über die Unabgeschlossenheit der Welt. Wut ermöglicht eine Vorstellung davon, dass die Welt auch ANDERS sein könnte. Dass wir auch anders leben könnten. Wut ist negativ und visionär zugleich. Sie ist hoffnungslosvoll. Denn sie kann nicht nur das sehen, was schief läuft, zum Beispiel den Ausschluss von Frauen oder People of Color, sondern auch das, was anders sein könnte. Oder noch besser: Sie kann das sehen, was bereits anders ist. Die Wut auf Diskriminierung und Unterdrückung vergisst manchmal zu bedenken, dass auch diskriminierte Menschen handelnde Subjekte sind. Und zwar solche, die auch etwas ganz Besonderes haben. Perspektiven nämlich, die niemand sonst hat.

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„Was soll das werden, liebe Schwanzwedler? Eine Alpenscharia, in der Frauen den Status von Kühen haben, sofern sie reproduktiv sind?“ (Güzin Kar)

Die italienischen Diotima-Philosophinnen plädieren dafür, nicht immer nur den Standpunkt der Unterdrückung zu beachten, sondern auch vom Standpunkt der Freiheit auszugehen, also von der Frage: Selbst wenn vieles zu unseren Ungunsten läuft, wo ist der Punkt, an dem wir bereits Freiheit leben und umsetzen?

Die feministische Forschung hat gezeigt: Frauen kommen zwar nicht in den offiziellen Geschichtsbüchern vor, aber das heisst nicht, dass sie nichts beigetragen, nichts getan hätten. Frauen haben einen Beitrag zur Geschichte geleistet. Vielleicht waren sie dabei nicht in den so genannten Zentren der Macht. Aber es gibt ein Anderswo der Geschichte, ein Anderswo des Politischen und der Existenz – das weder in den Mainstream-Geschichtsbüchern steht noch in Zeitungen, ohne das aber Geschichte nicht möglich wäre. Die Philosophin Wanda Tommasi schlägt vor, die historische Unsichtbarkeit der Frauen nicht nur als Folge von Ausschlüssen zu denken, sondern auch als deren Wille oder Entscheidung, sich nicht in den so genannten Zentren der Macht aufzuhalten. Als eine Weigerung, sich an den Orten der Männer aufzuhalten. Als eine Entscheidung, andere Dinge zu tun.

Auch Audre Lorde forderte die Betonung und Sichtbarmachung von ‚Andersheit‘. Die Erkenntnis und die Kritik ungerechter Verhältnisse und die Wut darüber sind deshalb visionär, weil dies auch das Erkennen des Ausgeschlossenen beinhaltet – und damit dessen Kraft. Denn es hat Kraft, sonst müsste es nicht mit aller Macht ausgeschlossen werden. Von der Wut führt also eine direkte Linie zur Power der Differenz: Wenn wir darauf achten, was das Anders-Sein, was also Minorisierung an Möglichkeiten bietet, tut sich neben Leid und Verletzung auch ein Horizont auf. Wer anders ist als das, was als Massstab für Normalität gesetzt wurde, hat die Möglichkeit, mehr zu wissen und die Welt anders wahrzunehmen.

Lesbische Frauen zum Beispiel lernen als erste ‚Sprache‘ die heterosexuelle und als zweite die lesbische, sie sind also im Unterschied zu Heterosexuellen ‚zweisprachig‘, oder anders ausgedrückt, in zwei verschiedenen Welten zuhause (Lising Pagenstecher, siehe Dorothee Markert). Das Problem ist, dass bei denjenigen, auf die unsere Kultur zugeschnitten ist und die sich deshalb zum Massstab für Normalität machen, die Unwissenheit über Differenz, und auch die mangelnde Neugier, darüber etwas zu erfahren, immer noch so weit verbreitet ist. Sie haben nicht gelernt, die Differenz wahrzunehmen, die hinter der scheinbaren Normalität versteckt ist, sie sehen dieses Treiben und Leben nicht, auch deshalb nicht, weil die Minorisierten sich in der Regel äusserlich anpassen, um keine Ablehnung zu erfahren. Wenn man nichts über Differenz weiss, ist man, wie Markert schreibt, schlecht vorbereitet, damit umzugehen, wenn sie sich dann plötzlich unübersehbar aufdrängt – wie das gerade geschieht, in unserer zunehmend interkulturellen Gesellschaft: Wer das Lernfeld der Differenz nicht zu nutzen gelernt hat, kennt nur eine Möglichkeit, mit ihr umzugehen: sie auszulöschen. Trump zu wählen.

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„Man muss es offenbar immer wieder sagen: Frauen, die Machtgefälle kritisieren, wollen Männern nicht den Pimmel abschneiden“ (Franziska Schutzbach)

Wir aber wissen schon lange, dass es differente Lebensweisen jenseits der Normen gibt. Und wir sollten sie noch viel mehr hervorholen, uns zeigen, die Welt daran gewöhnen und deutlich machen, dass eine andere Welt ein Stück weit längst da ist. Wir sollten nicht nur Diskriminierungen aufspüren, denn dann geht unser Blick auf das verloren, was wir selbst sind und was wir besitzen. Verloren geht der Blick auf unseren Reichtum. Benachteiligung glaubhaft zu vermitteln zwingt einen oft, über die positiven Seiten unserer Situation zu schweigen.

Es geht darum, nicht in einer „uns einengenden Negativheimat“ (Pagenstecher, zitiert nach Markert) stecken zu bleiben, Wut soll nicht in rebellische Abhängigkeit münden, die ständig sich gegen die Gegner wehrt, sie ablehnt, und sich deshalb ununterbrochen auf sie beziehen muss. Diese zwanghafte Rebellion bewirkt keine Veränderung, sondern hält uns in der Beziehung zum Falschen fest und hindert uns daran, uns anderem zuzuwenden.

Wenn wahr ist, was Wanda Tommasi betont: dass nämlich Unterdrückung und Herrschaft sich ohne das innere Einverständnis der Beherrschten nicht halten können, muss die Arbeit der Unterworfenen die Betonung ihrer Unterschiedlichkeit sein.

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Porsha O.: „Angry Black Woman“

Männliche Selbstkritik ist möglich

Im Film „Captain Fantastic“ (Matt Ross) geht es um einen erstaunlichen Anti-Helden und die Vision, dass radikale Selbst-Kritik einen nicht zerstören muss. 

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Ben Cash (gespielt von Viggo Mortensen) ist ein Aussteiger, er lebt mit seinen sechs Kindern (sie sind zwischen 6 und 18 Jahren) seit vielen Jahren abseits der Zivilisation im Wald. Dort haben sie eine Art Jurte-Dorf gebaut. Ben möchte die Kinder zu freien, selbständig denkenden, starken Menschen erziehen, die verbunden sind mit der Natur und mit sich selbst. Er ist ein strenger und idealistischer Lehrer, neben dem täglichen Körpertraining und der Jagd lesen die Kinder Klassiker der Weltliteratur, Theorie (Marx, Chomsky usw.), büffeln Menschenrechte, musizieren und führen Gespräche über konsensuelle Sexualität.

Ich fand vor allem die Entwicklung der Vater-Figur interessant, und eng damit zusammen hängend die Narration über Männlichkeit. In „Captain Fantastic“ geht es um die Hinterfragung ‚männlicher‘ Handlungsmacht. Zum Beispiel den Anspruch, absolut sicher zu wissen, was für andere oder die Welt gut sei.

Ben ist im Film durchaus sympathisch, gleichzeitig stellt sich die Frage: Instrumentalisiert er die Kinder für seine eigenen Vorstellungen? Ist das, was er für richtig hält, auch für die Kinder gut? Die Kinder machen mit, es regt sich jedoch auch Widerborstigkeit. Ben integriert die Widerstände gekonnt, fordert die Kids auf, zu debattieren, ihre Stimmen sind wichtig. Es geht ihm um Gleichberechtigung und Individualität. Fest steht aber auch: Dass es ein Abhängigkeitsverhältnis, ein Machtgefälle gibt. Es sind eben Kinder, und er der Vater.

Die Kinder lernen, ihren Standpunkt zu vertreten, eigene Perspektiven zu entwickeln, sie wissen alles über klassische Musik, über soziale Gerechtigkeit, das Überleben im Wald und gegenseitige Rücksichtnahme. Nur wissen sie nichts über die so genannte richtige Welt („du hast mich zu einem Freak gemacht!“, wirft der älteste Sohn dem Vater später vor).

In den ersten Filmminuten wird klar, dass es auch eine abwesende Mutter, Leslie, gibt (Trin Miller). Diese ist seit drei Monaten in einer psychiatrischen Klinik. Sie leidet an biopolarer Störung. Hier wird deutlich, dass es um Männlichkeit geht, denn die Besetzung könnte nicht umgekehrt sein, es geht um Bens Rolle als Mann: Er ist der Starke, so etwas wie ein Clan-Anführer, während seine Frau die Position der Schwachen, der Kranken hat. Diese zunächst klischierte Rollenverteilung macht es möglich, eine Geschichte männlicher Dekonstruktion und Selbst-Kritik zu erzählen.

Zurück zum Plot: Ben und Leslie sind damals – vor vielen Jahren – auch deshalb in den Wald gegangen, weil beide hofften, es würde Leslie dort besser gehen. Mit der Zeit wird klar, dass diese Idee gescheitert ist. Leslie ging es nicht besser. Was im ersten Teil des Filmes dazu führt, dass sie sich in der Klink das Leben nimmt. Für Vater und Kinder beginnt ein Trauerprozess. Sie machen sich auf zur Beerdigung, was auch auf eine Konfrontation mit der so genannten „real World“ hinausläuft. Im Verlauf der Reise entsteht der Vorwurf (formuliert durch Verwandte und eines der Kinder), Ben habe seine Frau ‚umgebracht‘, weil er an einer fixen Ideen festgehalten habe. Die Einsamkeit im Wald habe Leslie geschadet.

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Bei Ben setzt nun eine Art Katharsis ein. Zwar scheint er zunächst überzeugt von seiner Mission, aber bald kommen Zweifel. Vor allem in dem Augenblick, in dem eine seiner Töchter sich schwer verletzt und beinahe stirbt, weil Ben sie in Gefahr gebracht hat. Ben konfrontiert sich nun mit dem Gedanken, dass er vielleicht falsch gehandelt hat. Dass das Leben, das er mit den Kindern und seiner Frau lebte, vielleicht nicht für alle gut war und ist. Bald gesteht er sogar vor den Kindern, dass er es eigentlich wusste: während er an seiner Idee festhielt, wusste er gleichzeitig, dass es nicht funktioniert, dass es seiner Frau dadurch nicht besser ging. Er war – trotz besseren Wissens – besessen von der Idee, es müsste gut sein.

Ben ist damit konfrontiert, die Kontrolle zu verlieren, seine Handlungsmächtigkeit und Selbstsicherheit. Überrascht hat mich die Darstellung schonungsloser männlicher Selbstkritik, die Bereitschaft, die eigenen Fehler und Irrtümer zu sehen und einzugestehen.Ich habe das so noch nie gesehen im Film (und in der ‚Wirklichkeit‘ auch nicht). Normalerweise werden männliche Selbstzweifel, Schwäche oder Kontrollverlust – wenn überhaupt – auf eine Weise gezeigt, die die betreffenden Männer letztlich wieder zu Helden stilisiert. Oder aber sie bleiben gescheiterte, einsam-neurotische Figuren, die mit ihren Problemen irgendwie durchs Lebens segeln, oder mit irgendwelchen Ersatz-Souveränitäten durchkommen.

Ben wird anders gezeichnet. Er sieht sein Scheitern und möchte es wieder gut machen, indem er – auch das ist überraschend – Hilfe von Verwandten annimmt. Und zwar ausgerechnet die Hilfe von seinen Schwiegereltern, mit denen er zuvor in tiefem ideologischem Streit stand, die ihn auch ablehnen. Ben springt über seinen Schatten, über sein (männliches) Ego und seinen Stolz, er nimmt die Hilfe – natürlich nicht konfliktfrei – an. Er reagiert auf sein Scheitern nicht mit Verhärtung, nicht mit der trotziger Abwehr des gescheiterten Helden, vielmehr akzeptiert er den Souveränitätsverlust und geht den Bezug zur Welt der ‚anderen‘ ein.

Es ist aber auch die tiefe Beziehung zu den Kindern, die seine Selbst-Dekonstruktion nicht ins Bodenlose fallen lässt. Und die ihm zeigt: Er hat nicht alles falsch gemacht. Er muss ein anderer werden, aber nicht ein vollkommen anderer. Es sind die Kinder, die ihn am Ende dazu auffordern, sich ein Stück weit treu zu bleiben. Auch das ist eine ungewöhnliche Narration über eine männliche Entwicklung: Es ist die tiefe Verstrickung mit anderen, die das Selbst infrage stellt, und es zugleich auffängt. Es ist paradoxerweise das Leben durch die anderen, das es Ben ermöglicht, auch er selber zu bleiben.

Am Ende lebt die Familie in einem kleinen Haus, zurück in der Zivilisation. Die Kinder besuchen öffentliche Schulen, der älteste Sohn geht an die Uni. Ben lebt mit seiner ‚Schuld‘, mit den Fehlern, es geht ein Bruch durch ihn hindurch, die Dinge lassen sich nicht zurechtbiegen. Er versucht, ohne Selbsttäuschungen weiterzuleben. Das ist unbequem, anstrengend und schmerzhaft. Man bekommt dafür keine Medaillen. Gleichzeitig zerstört es ihn auch nicht. Ben ist am Ende weder ein Held noch gescheitert, sondern ein Mensch, der versucht, Verantwortung zu übernehmen. Und dafür etwas Wichtiges bekommt: Echte und tiefe Beziehungen zu Menschen.

Für mich zeichnet der Film eine Art utopisch-hoffnungsvolle Vision, in dem die kritische Reflexion von Männlichkeitskonzepten möglich ist. Und Männer keine Angst haben müssen, dadurch zerstört zu werden.